#047 - Maßstab des Erfolgs: Jenseits von Sieg und Niederlage
Shownotes
In dieser Episode erkunden wir, wie Erfolg mehr ist als nur Siege und Niederlagen. Wir betrachten, wie persönliche Maßstäbe und innere Überzeugungen helfen, echten Erfolg zu definieren.
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Transkript anzeigen
Woran machst du eigentlich deinen Erfolg fest? Das soll die heutige Frage sein. Vor allen Dingen wie du deinen Erfolg wahrnimmst, wie du ihn einordnest, was dafür sorgt, dass du dich gut genug fühlst, dass du das Gefühl hast, ich bin gut genug, ich bin angekommen, was dich zufrieden werden lässt. Darum soll es in dieser Folge gehen. Warum nehme ich dieses Thema? Weil wir gerade in meiner Fechthalle auf ein Event blicken, bei dem genau das Thema ist. Das nächste Fechtturnier. Und wenn wir auf ein Fechtturnier blicken, wenn ich ein Fechtturnier beobachte als Trainer, dann erlebe ich natürlicherweise genau dieses Thema. Wir fragen uns, jeder einzelne Fechter, jede Fechterin fragt sich, wie gut bin ich eigentlich? Und nach dem Turnier hat man die Antwort. Scheinbar. Vermeintlicherweise. Warum ist das so? Weil die meisten Sportarten so funktionieren, dass wir unseren Erfolg daran messen, wie viele Gegner oder gegnerische Mannschaften oder Tabellen wir schon besiegt haben. Wir es schon hinter uns gelassen haben, wir es schon überwunden haben. Ist übrigens im unternehmerischen Umfeld genau das gleiche. Du bist am Markt nur so gut, wie deine Mitbewerber hinter dir liegen. Wenn du ein gutes Produkt hast, eine gute Dienstleistung, aber alle Mitbewerber vor dir sind, hast du ein Problem. Und genau das gleiche ist natürlich im Fechten. Wenn du ein toller Fechter oder eine tolle Fechterin bist und im Turnier auf den letzten Platz sitzt, dann fühlt sich das nicht so gut an. Logischerweise. Wir haben das aber nicht nur im Unternehmen, wir haben es auch nicht nur im Sport. Wir kennen es unser Leben lang. Bis zurück zur Schule geht das so. Die Note war nur so gut, wie sie sich vom Klassendurchschnitt abgehoben hat. Oder? Du hast eine 2 bekommen in der Schule, ist doch eigentlich gut, steht sogar nebendran. Gut. Aber wenn dein Klassendurchschnitt 1,75 ist, dann war es halt auch nur leider halb so gut. Und das ist unser Thema. Das ist etwas, wie wir modernerweise und logischerweise auch unseren Erfolgen irgendeiner Form definieren. Sage mir, wie gut deine Mitbewerber sind, deine Konkurrenten sind, dann sage ich dir, wie gut du bist. Im Fechten ist das natürlich ganz genauso. Wenn ich ins Mittelalter zurückblicke, dann geht es nicht darum, bei einem Fechtmeister, wie viele Gegner er besiegt hat. Es geht nur darum, ob er alle besiegt hat. Du kannst als Fechtmeister nicht sagen, naja, ich habe fast alle besiegt. Dann redet keiner mit dir mehr, weil du nämlich leider nicht mehr da bist. Also Fechten ist da sehr, sehr eindeutig. Das tolle ist, wenn ich aus dem Mittelalter oder Spätmittelalter besser gesagt, ein Fechtmanuskript finde, in dem ein Fechtmeister seine Techniken veröffentlicht, gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder er wurde nie geprüft oder er war sehr gut. Aber ein erfolgloser Fechtmeister wird in der Regel kein Buch veröffentlichen. Oder er hat es veröffentlicht, bevor er seinen Meister gefunden hat. Kommen wir zurück zum Thema. Wir sind im Fechten und bei diesen Fechten gibt es ab und zu spannende Themen. Und zwar gibt es in Fechten ein hier und da Techniksysteme, die ein bisschen anders sind als das, was wir machen. Und dafür musst du überhaupt kein Fechter oder Fechterin sein, um das jetzt nachzuvollziehen. Es gibt, wenn ich dir das einfach so erzähle, Fechtsysteme, die sind so reduziert in der Menge der Techniken und in der Menge der Bewegungsart, dass du nur noch dafür sorgen musst, dass du deine Techniken, die du gelernt hast, perfekt machst und dann kannst du zu keinem Zeitpunkt getroffen werden. Okay? Stellen wir das einfach so vor. Du lernst also deine Bewegungen so zu perfektionieren, dass du weißt, solange ich hier keinen Fehler mache, kommt der Gegner nicht durch. Geht nicht. Das eine oder andere Fechtsystem funktioniert genauso. Natürlich nur, wenn in diesem System auch gefochten wurde. Und es sind natürlich auch keine echten Duellsituationen, die wir so in der Geschichte kennen. Es ist eine reine, reduzierte, leicht versportlichte Art. Aber das Interessante ist dann, da könnte man sich doch fragen, warum gibt es das überhaupt? Warum gibt es ein System, bei dem du nicht von dem Gegner besiegt werden kannst? Naja, weil genau da der Punkt kommt, an dem wir so oft dran vorbei kommen, dass den Gegner, den wir als erstes und als letztes besiegen werden, hoffentlich wir selbst sind. Den einzigen Gegner, den du wirklich besiegen musst, bist du selbst. Das wissen wir. Das weißt du auch. Und wenn wir uns jetzt fragen, was ist denn dieser Gegner? Dann können wir sagen, naja, das ist deine Angst. Das ist deine Hoffnung. Das ist vielleicht die Frage, was ist wenn? Was ist, wenn es schief geht? Was ist, wenn ich nicht auf alles zugreifen kann, was ich gelernt habe? Was ist wenn? Was ist, wenn der Gegner stärker ist? Was ist, wenn die Prüfungen dann doch Fragen beinhalten, auf die ich mich nicht gut vorbereitet habe? Was ist, wenn mein nächstes Vorstellungsgespräch dann doch vor einem Gremium sitzt, was eigentlich mir überhaupt nicht wohlgesonnen ist? Was ist, wenn mein nächster Vorgesetzter mir das Leben schwer macht? Was ist, wenn wir am Markt uns doch nicht so positioniert bekommen, dass wir als Firma durchkommen? Was ist, wenn? Und diese Frage muss man lernen zu besiegen. Es geht nicht nur darum, dass man diese Frage ignoriert, sondern es geht darum, dass man, wenn man losrennt, um über einen, wie ich schon öfter mal gesagt habe, um über einen Bach zu springen, nicht kurz vorher sich die Frage stellt, was ist, wenn ich es nicht schaffe? Weil dann kriegst du nasse Füße. Die Frage ist in Ordnung, aber in der Zeit der Vorbereitung, nicht in der Zeit des Kampfes. Und darum geht es. Du kannst dich auf ein Turnier, gehen wir zurück zum Fechten, du kannst dich auf ein Turnier vorbereiten, solltest du auch, aber wenn du startest, hat Angst keinen Platz, hat Hoffnung keinen Platz. Hoffnung heißt letzten Endes, hoffentlich geht es gut, hoffentlich geht es nicht in die Hose. Ich reduziere das gerade, das ist mir klar. Aber das ist ein ganz wichtiger Aspekt. Die Frage, schaffe ich es, schaffe ich es nicht? Wie gut bin ich eigentlich? Oh hoppla, was ist eigentlich, wenn das hat im Kampf nichts verloren? Das ist der innere Gegner, den wir lernen müssen zu besiegen. Und das ist ein ganz ganz wichtiger Aspekt, denn so oft nicken wir das ab. Wenn ich sage, der einzige Gegner, den du besiegen musst, bist du selbst, dann nickst du doch schon, bevor ich meinen Satz beendet habe. Und das ist in Ordnung, das ist auch gut so, weil wir das schon mal öfter irgendwo gehört haben. Dazu musst du auch diesen Podcast nicht kennen und das sicherlich schon mal irgendwo thematisiert bekommen zu haben. Und trotzdem, trotzdem gehen wir da raus und messen uns an dem Misserfolg oder Erfolg anderer. Ich habe Fechter und Fechterinnen, das sind hervorragende Fechter und Fechterinnen und wenn sie gegen einen Gegner vorgehen, der sie nach Strich und Faden, sage ich jetzt mal, auseinander nimmt, dann gehen sie raus und sagen, ich bin nicht gut. Ich möchte das überhaupt nicht plakativ irgendwohin stellen. Ich möchte das überhaupt nicht hier lächerlich machen. Wir alle neigen dazu, so zu denken. Und eine der Hauptdisziplinen im Kampf ist das, oder in der Kampfkunst, in der Vorbereitung ist es, genau da eine Sicherheit zu bekommen, genau da eine Ruhe zu bekommen. Riesenthema. Und das geht, da brauchen wir überhaupt nicht in Kampfkünste reingehen. Das geht, das geht in ganz vielen Bereichen des Lebens so, wenn wir uns mit Herausforderungen auseinandersetzen. Wenn wir ein bisschen in Sport bleiben wollen, können wir uns die olympischen Disziplinen zum Beispiel anschauen. Genau da geht es genauso darum, können an dem Tag, an dem es darauf ankommt, die Sportler und Sportlerinnen auf das zurückgreifen, was sie teilweise jahrelang trainiert haben. Das ist das große Thema. Und es wäre die Frage, was das für uns bedeutet, auch außerhalb der Halle, nicht nur im Training, um Gottes willen. Hier geht es ja nicht um Schwertkampf im eigentlichen Sinne. Zum einen können wir uns fragen, was, oder kannst du dich fragen, was ist denn, wenn du in die Herausforderung reingehst, was ist denn wirklich dein persönliches Ziel? Was ist dein persönliches Ziel? Und wenn du fest, wenn du, wenn du da reingehst und ein, ich sage jetzt mal, ein Ergebnis erlebst, also bildlich gesprochen, du gehst durch ein Turnier und hast am Ende in irgendeiner Form einen Platz auf der Rangliste sozusagen oder du gehst in eine Herausforderung und stellst danach fest, wie es gelaufen ist. Du schaust dir an, wie es gelaufen ist und dann darfst du dich fragen, wenn du das Gefühl hast, dass du nicht gut genug warst, darfst du dich fragen, woher kommt dein Feedback? Ist das durch die Beobachtung eines anderen Menschen, also ich meine damit, ist das dadurch passiert, dass du andere Menschen beobachtet hast, zum Beispiel. Bist du in einer Situation gewesen, der du andere gesehen hast und festgestellt hast, wow sind die gut, ach du Schande, kriege ich nie hin. Das ist eine ganz typische Situation, wo wir uns mit anderen vergleichen. Das erlebe ich so oft in der Fechthalle. Menschen sehen andere an, die viel weiter sind und stellen fest, sie sind schlecht, also sie selbst sind schlecht. Naja, dass der oder diejenige aber das Ganze auch 15 Jahre länger trainiert, weiß man zwar, nimmt man aber trotzdem so nicht rein in die Bewertung, nicht immer. Oder ist das vielleicht auch die Frage nach deinem Können gekommen durch eine Prüfung oder nach einer Prüfung, dann dürfen wir uns auch fragen, ist die denn geeignet, dein Können zu beurteilen? Ist deine Prüfung geeignet, dein Können zu beurteilen? Kommst du aus einer Prüfung raus und stellst fest, du bist nicht gut, das ist dumm gelaufen, schlecht gelaufen, darfst dich fragen, ist diese Prüfung überhaupt dafür geeignet, dein Können zu testen? Ich gehe darauf gleich noch mal ein. Du darfst dich aber auch fragen, ist das vielleicht keine Prüfung, ist das nicht durch Beobachten anderer, sondern ist das einfach durch einen Kommentar von außen gekommen? Kennst du das? Du hast eigentlich ein ganz gutes Gefühl, du kriegst aber irgendwo einen Kommentar oder einen Unterton, irgendwo her und danach fängst du an, deine Expertise, dein Können, wie auch immer, von dir heraus, von innen zu untergraben. Genau das Gleiche. Die Frage, hoppla, woher kommt der Impuls, dass ich das gerade denke? Kommt das von außen oder kommt das von innen? Und man kann es auch fragen, ab wann habe ich denn angefangen so zu denken? Ah, okay, das war seitdem der oder diejenige vorhin Folgendes gesagt hat, zum Beispiel. Also in irgendeiner Form eine Frage, gibt es eine Anregung von außen? Und dann geht es nicht darum, dass wir das von außen sofort ablehnen oder so, darum geht es nicht, sondern wir müssen prüfen, was hat das mit uns selbst zu tun? Wenn ich jetzt, Thema Prüfung, wenn ich mir zum Beispiel ansehe, wenn Prüfungen gemacht werden, wenn Prüfungen gemacht werden, dann erlebe ich sehr oft, dass Menschen ein Feedback bekommen, was in meinen Augen vollkommen ungenügend ist. Ich meine das jetzt nicht als Note, sondern ich meine das so, dass wir Menschen oftmals in Prüfungen erleben, die auf diese Prüfung in keinster Weise genügend vorbereitet wurden. Und das gesamte System der Vorbereitung auch daraufhin überhaupt nicht funktioniert. Im Sport, im Sport ist das ein bisschen anders. Im Sport passiert es folgendermaßen, wenn ich lerne erstmal oder ich trainiere Leute erstmal technisch. Also sie müssen erstmal lernen in diesen Techniken, ja im weitesten Sinne Perfektion zu erlangen oder zumindest mal die Techniken gut, gut, gut kontrollieren zu können. Dann trainiert man unter härteren Bedingungen. Es geht schneller, es wird dynamischer, die Anforderungen sind ein bisschen härter, vielleicht hier und da Entscheidungen, die eingeflochten werden müssen und es muss weiterhin, es wird weiterhin so trainiert, dass man unter den härteren Bedingungen das weiterhin anwenden kann. Dann geht man unter die sogenannten Wettkampfbedingungen. Man trainiert noch härter, man trainiert in Situationen, in denen auch andere zusehen. Man trainiert in Situationen, in denen es auf einmal darum, um all diese Fragen geht, wie sieht das denn aus, was ich hier mache vor anderen und dann kann man das wieder besprechen, dann muss man da wieder durchgehen und so weiter und so fort. Und irgendwann geht man in eine Halle und macht seinen Freikampf, wird von vielen beobachtet und sagt im Großen und Ganzen macht mir das nicht mehr viel aus. Und dann geht man noch mal weiter, dann trainiert man nicht unter Wettkampfbedingungen, sondern unter den Bedingungen des exakt kommenden Turniers. Insofern das noch mal ein bisschen anders ist. Das heißt, es ist ganz normal im Sport Menschen auf genau den Moment vorzubereiten, unter dem sie geprüft werden. Im theoretischen Kontext, also zum Beispiel in Ausbildungen oftmals, überall wenn es in irgendeiner Form um kognitive Prüfungen geht, erlebe ich oft, dass die Menschen nicht darauf vorbereitet werden. Sie werden fachlich vorbereitet. Ja, das natürlich, völlig klar, hoffe ich doch zumindest mal. Und dazu gehört natürlich auch die Frage, wie weit bereitest du dich selbst vor, wie weit trainierst du selbst, also übst du selbst, wie weit gehst du selbst in die Vorbereitung hinein. Aber was oft nicht trainiert wird, ist zum Beispiel Zeitdruck. Die Menschen lernen ein Thema auswendig oder wie auch immer, lernen es anwenden, aber die Prüfung findet unter einem Zeitdruck statt. Ich möchte das nicht grundsätzlich verurteilen, aber ich frage mich als Sporttrainer, wo ist denn da die wettkampforientierte Vorbereitung gewesen? Oftmals nicht immer, aber oftmals findet das nicht statt. Oftmals wird fachlich vorbereitet, aber nicht unter Wettkampfbedingungen in dem Sinne, dass auf einmal das Ganze in 60 Minuten abgerufen werden muss. Ich möchte nicht ein Plädoyer gegen Prüfungen unter Zeitdruck aussprechen. Ich möchte ein Plädoyer dafür aussprechen, zum einen, dass wir richtig vorbereiten, als Trainer, Ausbilder, Mentoren, wie auch immer, aber vor allen Dingen möchte ich ein Plädoyer dafür bringen, dass du selbst, wenn du aus dieser Prüfung rauskommst, dich fragst, wurdest du adäquat vorbereitet? Oder andersrum, hast du dich adäquat vorbereitet? Hast du zum Beispiel dich darauf vorbereitet, das, was du da eben gerade abliefern musstest, unter diesen Zeitdruck abzuliefern? Und zwar auch unter diesem mentalen Druck, nicht nur zeitlich, sondern unter dem mentalen Druck, dass das vielleicht die einzige oder die vorletztmögliche Prüfung in deinem Leben zu diesem Thema ist. All das kommt dazu. Es gibt so viele Prüfungssysteme, wo du zweimal schreiben kannst. Du kannst einmal die Prüfung machen und wenn du es noch mal machst, darfst du, also wenn du da durchfällst, darfst du noch einmal wiederholen. Das ist ein Megadruck. Wo ist der Trainer, der dich jetzt auf diesen Druck vorbereitet? Wo kommt denn jemand und fragt, hey, ich sehe gerade, du bist einmal durchgefallen, das nächste Mal wird ein Megadruck, wir müssen jetzt zum einen lernen, dass du fachlich noch besser wirst und dann müssen wir lernen, dass du das unter diesem Druck abrufen kannst. Natürlich wird das so nicht vorbereitet. Ich möchte jetzt hier auch nicht die große Systemkritik anbringen. Es ist, wie es ist und das ist auch so, aber okay, mir geht es vor allem darum, was nimmst du als Feedback daraus? Ich bin nur so gut wie. Doppelpunkt. Die Prüfung, meine Gegner, die gegnerischen Mannschaften, die Kunden es mir bescheinigen. Da ist was dran, aber nicht hundertprozentig. Du solltest nicht hundertprozentig dich darauf stützen, wenn es darum geht, wie gut bist du. Es ist ein Teil davon und da möchte ich dich für einladen, dass du genau hinterfragst, woher kommt das Feedback? Kommt das von außen, kommt das von innen? Ist das dein innerer Gegner, den du da gerade besiegst oder hast du ein Feedback von außen bekommen? Dann darfst du dich fragen, darf ich mich hier und da aus der Verantwortung rausnehmen? Denn eines ist auch klar, wir sind ja nicht in der Lage, jederzeit perfekt zu performen. Ja, das geht der ein oder anderen Prüfungssituation jetzt konträr, aber die olympischen Spiele, um wieder darauf zurückzukommen, die zeigen das auch. Warum gibt es denn olympische Spiele? Warum legt man nicht einfach eine Tabelle vor der besten Sportler und Sportlerinnen der Welt, was sie jeweils für Leistungen erbracht haben im letzten Jahr? Die beste Leistung kriegt einen Haken und man vergleicht es. Das macht man nicht. Man kommt zusammen, ja, ist auch ein schönes Event, aber davon abgesehen, kommt man zusammen und sieht sich an, kannst du das denn heute, hier, jetzt, unter diesen Bedingungen? Alle Bedingungen sind gleich. Ja, aber du könntest trotzdem sagen, hey, kein Ding, heute war nicht dein Tag, wir machen das noch dreimal und dann gucken wir an uns an, wer der Beste ist. Nein, das passiert nicht. Auch das möchte ich nicht kritisieren, aber ich möchte, dass uns klar ist, auch solche olympischen Spiele zeigen, es ist dort interessant, ob die Menschen gerade jetzt in der Lage sind, das abzurufen und auch dort wirst du Sportler und Sportlerinnen sehen, die vom Platz gehen, ihre Leistung nicht erbringen konnten und damit fertig werden müssen mit der Frage, wie gut bin ich eigentlich? Bin ich dann doch nicht so gut? Doch, bist du. Wenn du in der Lage bist, das, was du gelernt hast, abzuliefern und einmal versagst, weil gerade du nicht gut drauf warst, weil gerade dein Gegner noch besser war als du, dann ist das ein Feedback, aber es sollte dir nicht sagen, du bist schlecht. Sondern es darf dir sagen, du darfst noch mal einen nachlegen oder du darfst noch mal dich fragen, was kann ich denn noch in der Vorbereitung verändern? Und das ist mein Wunsch heute für dich, dass wir sensibel dafür werden, woher nehmen wir die Antwort auf die Frage, wie gut bin ich, wie erfolgreich bin ich? Misst du dich an den dir selbst bewusst gesetzten Zielen und sagst, da und da stehe ich, da und da möchte ich hin, da und da bin ich noch nicht, aber das und das habe ich auch schon geschafft, also wirklich so eine Einordnung auf deiner ganz persönlichen inneren Skala oder kommt da irgendwo ein Vergleich von außen rein, der sagt, mag ja sein, dass du denkst, dass du ganz gut bist, aber hier siehst du, dass du es nicht bist. Mag ja sein, dass du seit acht Jahren fichst, richtig gut im Schwertkampf bist, aber wenn du auf dem Turnier leider nur knapp über die Vorrunde kommst, dann bist du halt doch nicht gut. Das eine, beides steht für sich, aber das eine muss das andere nicht negieren. Ich erlebe öfter als Trainer, wenn Menschen in die Halle kommen, die gemeinsam starten, erlebe ich sehr oft, dass einer von beiden aus irgendeinem Grund mal ausfällt. Vielleicht ist in der Familie was los, vielleicht kommt ein Jobwechsel, vielleicht ist irgendwas anderes. Jemand fällt mal für zwei, drei Monate aus und dann kommt er oder sie wieder. Was meinst du, wie schwer das ist für so jemanden im Training wieder Fuß zu fassen manchmal? Warum? Weil man sich mit dem oder derjenigen vergleicht, mit dem man angefangen hat. Aber logischerweise ist doch der Trainingspartner von damals viel weiter inzwischen und dann stellt man fest, scheiße, wenn ich es mal so sagen darf, ich bin nicht so gut, ich bin nicht gut genug. Natürlich weiß man kognitiv, dass es da einen Zeitunterschied gibt und trotzdem hat man das Gefühl zurückzuliegen. So oft bekomme ich dann gesagt, das hole ich doch nicht mehr auf, wo ich dann frage, ja zu was denn? Was willst du denn aufholen? Wo steht denn in irgendeinem Buch drin, du musst nach so und so vielen Monaten, Tagen, Jahren, musst du an der und der Stelle angekommen sein? Nein. Das ist der Grund, weshalb wir im Fechten oder hier bei uns in der Schule kein Graduierungssystem haben. Ein Graduierungssystem sagt dir, du musst dann und dann dort und dort sein. Hast du leider schon immer Rücken, hast du schon immer mal irgendwie ein Thema mit was auch immer, hast du schon immer ein bisschen Knieprobleme, hast du schon immer ein bisschen mit Gewicht zu tun, dann kommst du leider nicht so weit. Schade, schade. Nein, es geht nicht darum, dass dir von außen jemand sagt, du musst bis dann und dann dort und dort sein. Grundsätzlich geht es erstmal darum, dass du dir selbst überlegst, wie weit will ich denn für mich sein? Aus dir heraus. Und dann können wir uns fragen nach einer gewissen Zeit, wo stehe ich gerade? Und dann fällst du vielleicht wirklich drei Monate aus in deinem Sportverein. Vielleicht, hoffe ich nicht, in deinem Unternehmen oder in anderen Bereichen und dann kommst du zurück und stellst fest, ich fange genau da an, wo ich aufgehört habe, jetzt geht es weiter. Das ist wichtig. Ein klarer Blick für unsere, wenn es auch nicht schön klingt, Leistungssituation. Danke, dass ich das mir teilen durfte. War mir sehr wichtig. War mir echt sehr wichtig, weil wir eben da uns so sehr sabotieren und ich finde das mal ganz schlimm. Ich glaube, das ist einer der Hauptgründe, weshalb ich diesen Podcast gestartet habe, weil ich oft erlebe, dass wir uns sabotieren, ohne dass wir das merken währenddessen. Das möchte ich bei so vielen Menschen wie möglich, inklusive mir selbst, immer mehr verändern. Und deshalb freue ich mich sehr, dass ich dir das heute erzählen durfte, dass ich das mit dir teilen durfte und du mit mir diesen Weg gehst und ich damit aber auch mit dir. Ich wünsche eine gute Zeit, freue mich wahnsinnig über dein Feedback auf podcast@christianbott.de. Ja und sage dir eine schöne Woche. Bis zum nächsten Mal, dein Trainer und Coach Christian Bott.
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