#051 - Die Ruhe vor dem Sturm: Zwischen Entschlossenheit und Handlung

Shownotes

In dieser Episode tauchen wir in die tiefe Ruhe ein, die dem Sturm der Aktion vorausgeht – sei es in einem Zweikampf oder in alltäglichen Herausforderungen. Entdecke die Bedeutung dieser kraftvollen Momente und wie du sie in deinem Leben für dich nutzt.


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Transkript anzeigen

Die Ruhe vor dem Sturm. Du bist in einem Freigefecht mit deinem Schwert. Deine Gegnerin nähert sich dir an, positioniert sich. Du machst einen Schritt zurück, sie folgt einen Schritt nach und jetzt siehst du die Blöße, die du angreifen wirst. Du erhebst deine Waffe und es kommt der Moment kurz bevor du ausholst. Ein Moment der Ruhe. Diesen Moment, diese Ruhe vor dem Sturm, diesen Moment begleitet viele, viele Sportarten und andere Bereiche. Ob das der Fechter ist, der sein Langschwert erhebt, die Sperrwerferin, die mit dem Speer ausholt oder der Sprinter, deren Position geht kurz vor dem Start. Es sind Stellungen voller Spannung und zugleich in Ruhe. Und das ist etwas, was mich stets, wie immer wieder fasziniert, bis heute fasziniert und da möchte ich dich mit hineinnehmen. Bevor es zu einem Kontakt im Schwertkampf kommt, wie auch in anderen Bereichen, bevor es in eine Herausforderung geht, gibt es zwei Phasen, die dem vorangehen. Zum einen ist es die Phase der Entscheidung. Du entscheidest dich, was du tun möchtest, wann du es tun möchtest und so weiter und so fort. Die zweite Phase ist die Vorbereitung. Du tust alles, was nötig ist, was gleich getan, was du gleich brauchst. Du bereitest dich vollends vor, so dass nichts mehr übrig bleibt, außer es zu vollenden. Und jetzt beginnt der Moment zwischen eben und gleich. Es beginnt der Moment, an dem der Fechtmeister im 14. Jahrhundert sagt, haue zu, als hätte er kein Schwert oder als ob du es nicht siehst. Nicht zögern, sondern gehe vollends rein und ziehe dich wieder zurück. Der Moment des Tuns, des Handelns. Und davor ist ein ganz wichtiger Moment, das ist ein Moment, in dem alles getan ist, aber es noch nicht beginnt. Das ist eine Phase, wo man sagen könnte, das ist der letzte Point of Return. An der Stelle könntest du noch sagen, ich mache es nicht. Aber wenn du startest, dann gilt es, bis zum nächsten Point of Return durchzuziehen. Heute geht es mir nicht um das Durchziehen. Heute geht es mir tatsächlich um diesen einen Moment vor dem Sturm, diesen kurzen Moment der Ruhe vor dem Sturm. Und an der Stelle möchte ich dich fragen, wann nimmst du dir diesen Moment? Hier geht es nicht nur um Schwertkampf. Hier geht es generell darum, gibt es für dich einen Moment, an dem deine Vorbereitung abgeschlossen ist und an dem du noch nicht in die Handlung gehst. Viele von euch kennen das vielleicht, wenn eine wichtige Entscheidung zu treffen ist, dann gibt es eine Phase, in der abgewogen wird, in der Meinung gebildet wird, in der quasi diese Entscheidung getroffen wird. Und dann gibt es Menschen, die sagen, ich schlafe noch eine Nacht drüber. Ich gehöre zu diesen Menschen. Ich mag das sehr gern. Ich mag es, wenn es diesen Moment gibt, an dem innerer Frieden so ein bisschen aufkommt, wo man sagen kann, okay, ich weiß jetzt, was ich tun werde. Und dann tue ich es nicht. Ich warte einen Tag. Manchmal. Manchmal zwei Tage. Manchmal ist es ein halber Tag. Je nachdem, wie schwer die Entscheidung auch ist. Oder manchmal ist es für mich auch gar nicht so vom Belangen. Aber ich mag diesen Moment dazwischen. Es ist ein Moment, in dem man Zeit hat. In dem man Zeit hat, noch mal ganz kurz es stehen zu lassen, von außen an zu sehen. Das muss nicht nur eine Entscheidung sein. Das kann zum Beispiel auch sein, dass du eine wichtige Präsentation zu erhalten hast. Du hast alles vorbereitet. Du bist dahin gefahren. Der Saal ist bereit und du gehst fünf Minuten vorher hoch, statt pünktlich. Und bist in diesen fünf Minuten für dich allein. Nicht im Saal, da sind schon die anderen, aber vorher. Oder du gehst in ein Konfliktgespräch. Hast dir Gedanken gemacht, wie könnte das laufen. Du hast dich gut vorbereitet. Fühlt sich sicher. Fühlt sich in einem Punkt, wo du das Gefühl hast, ich kann mein Gegenüber gut wahrnehmen. Ich habe meine eigenen Themen gut auf dem Schirm. Und dann fährst du hin zu dem Konfliktgespräch oder läufst hin zu dem Konfliktgespräch und gehst du sofort rein in den Raum. Und da gibt es den Moment davor, an dem du nicht noch mal alles durchgehst. An dem du nicht noch mal überlegst, was wollte ich noch mal sagen. Sondern an dem du einfach es sein lässt. Also nicht das Gespräch, sondern an dem du den Augenblick einfach wahrnimmst. Diesen Moment vor dem Sturm. Du hast ausgeholt. Beim Schwert könnte man sagen, du hast ausgeholt. Beim Sport könnte man sagen, du bist in Startposition. Aber es gibt diesen Moment der Ruhe. Ganz greifbar wird es im Bereich der Programmentwicklung. Da werden Programme programmiert und irgendwann gibt es den Moment, an dem das Programm veröffentlicht wird. Und davor kommt eine Zeit, manche nennen es Golden Master, in der der Programmcode nicht mehr verändert wird. Aber man veröffentlicht es auch noch nicht. Das ist eine Zeit, in der man noch mal die Chance hat, drauf zu schauen. In der man noch mal die Chance hat zu überlegen, ist das wirklich, passt das gerade? Ist das fertig? Selbst wenn man der Meinung ist, ich bin fertig, ist es kurz ruhen zu lassen. Diesen Moment gibst du in dir, nimmst du in dir. Und das soll gar nicht so warnend klingen. Ich möchte es eher als Angebot dir darlegen. Das sind ganz, ganz, ich habe sie als ganz, ganz besondere Momente kennengelernt. Das sind Momente, denen du genießen kannst. Dass alles getan ist, was du tun kannst. Alles vorbereitet ist. Es ist alles fertig. Es muss nichts mehr hinzugefügt werden und es muss auch nichts weggenommen werden. Dieser Moment, an dem gibt es keinen "man müsste noch". Es gibt auch keinen "was wäre wenn". Es ist einfach nur Zeit für dich, kann man sagen. Da geht es also nicht nur um Herausforderungen im Alltag. Da geht es um allgemeine Momente. Momente, in denen du dir selbst begegnen kannst. Und diese Momente sind so wichtig. Ich musste immer an meine damalige Zeit denken, als ich noch in der Schule war und meine damalige Freundin in Nürnberg besucht habe. Ich bin dann immer vom Worms nach Nürnberg gefahren. Nürnberg war die Endhaltestelle. Und als wir in Nürnberg ankamen, beziehungsweise als kurz davor war, dass wir in den Bahnhof eingelaufen sind, so vielleicht zehn Minuten davor, da sind nach und nach die Leute, sie sind aufgestanden, haben ihre Sachen zusammengepackt, ihre Koffer schon mal runter geholt und standen dann im Gang, bereit den Zug zu verlassen, während wir noch in den Bahnhof einliefen. Und an einem dieser Fahrten habe ich irgendwie die Idee gehabt, ich habe vorher meine Sachen, noch bevor das Ganze losging, hatte ich meinen Walkman, das, was ich zu lesen hatte und so weiter, habe ich dann so zusammengepackt, in meinen Rucksack, in meine Tasche gepackt, habe alles soweit vorbereitet, aber mich noch nicht in den Gang gestellt, sondern habe dann so vorbereitet, wie ich war, fertig zu gehen, mich wieder auf meinen Platz gesetzt. Habe rausgeguckt und den Moment genossen, dass es gleich soweit ist. Ich habe mich gefreut, in Nürnberg anzukommen, ich habe genossen, dass ich alles getan hatte, was ich vorzubereiten hatte, ich habe jetzt hier nichts mehr zusammenzupacken gehabt, sondern ich konnte den Moment genießen, zu fahren, gleich anzukommen, dann in den Bahnhof einzufahren und auch dann noch zu genießen, dass ich gleich aussteige. Gleichzeitig sind um mich herum natürlich wieder die Leute unterwegs gewesen, haben ihre Sachen zusammengepackt, ist Hektik entstanden, aber sie waren nicht bei mir. Und das waren Momente, ich weiß nicht, ob das richtig rüberkommt, das waren Momente, in denen ich vor allen Dingen mir selbst sehr nah war. Das waren ganz schöne Momente, weil einfach es gab nichts mehr zu tun. Ich glaube, das war das, was mich so berührt hat. Es gab nichts mehr zu tun, außer mich völlig in diesen Moment hinzugeben, diesem Erleben, dass es gleich so weit ist, hinzugeben. Das war etwas, was mich sehr, sehr geprägt hat. Das klingt jetzt so dramatisch, aber es ist etwas, was ich tatsächlich mein Leben dann nicht vergessen habe und ich immer mal wieder anwende. Das finde ich sehr besonders und das wollte ich dir heute mitgeben. Ich wollte dir heute mitgeben, dass wenn die Zeit der Vorbereitung abgeschlossen ist, in dem Moment, in dem alles fertig ist, in dem entschieden ist, auch was du tun willst, in dem alles getan ist, was getan werden muss, nichts mehr hinzuzufügen ist, dass das jetzt der Augenblick ist, an dem du dir einen Moment im Vorfeld Zeit nehmen darfst. Zeit mit dir zu verbringen, Zeit einfach den Moment wahrzunehmen. Was es dafür braucht, ist eine Vorbereitung, nichts weiter. In dieser Vorbereitung darfst du zeitlich einplanen, diesen Moment natürlich zu nutzen. Ich musste im Zug meine Sachen früher zusammenpacken als alle anderen. Zehn Minuten früher, viertel Stunde und dann hatte ich diesen Moment. Das war keine halbe Stunde, das war nicht lange, ich hatte einfach ein paar Minuten für mich. Und die waren sehr wichtig und heute immer noch, wenn ich solche Minuten mir nehme, nicht nur im Zug, sind die sehr wichtig. Und das möchte ich dir gerne mitgeben. Plane gerne voraus, das musst du ja eh, wenn du meinen Podcast hörst, weißt du auch warum. Wahrscheinlich sonst auch. Plane voraus und plane gerne diesen kleinen Augenblick ein. Eine meiner Ausbilderinnen, die Andrea Köhn, die nannte das mal "Me-Time", Zeit mit mir. Me-Time, ich mag dieses Wort weiterhin so gern. Me-Time ist größer gefasst. Me-Time bezeichnet generell Zeit, die ich mit mir habe. Aber das ist für mich so die qualitativste Zeit der Me-Time, denn nichts ist mehr zu tun und nichts kann noch getan werden. Ich sitze im Zug, jetzt symbolisch wieder, ich sitze im Zug, es ist alles getan, es ist alles gepackt. Ich kann aber auch noch nicht aussteigen, es bleibt nichts zu tun, außer da zu sein. Wie schön. Und seitdem habe ich gelernt, mir diese Momente in meiner Alltagsplanung immer wieder zu nehmen, einzuplanen. Das sind, meistens sind das Minuten, nicht mal zehn. Meistens sind das kleine Minuten, die aber so wichtig sind. Zumindest für mich. Wenn du dir das für dich anschaust, vielleicht stellst du fest, dass das für dich auch wichtig ist. Fände ich spannend, wenn du Lust hast, mir das zu schreiben, an podcast@christianbaut.de, dann sehr gern. Wenn nicht, auch gut. Freue ich mich, dass du vielleicht dich dem zumindest mal ein bisschen fragend öffnest. Auf jeden Fall freue ich mich, dass ich diesen sehr persönlichen Gedanken heute mit dir teilen durfte. Du mir zugehört hast, mir deine Zeit geschenkt hast, deine Me-Time. Und freue mich auf das nächste Mal. Hab eine wunderschöne Woche, hab frohe Ostern und auf bald. Dein Trainer und Coach Christian Bott.

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