#052 - Der taktische Rückschritt: Konfliktmanagement aus der Fechthalle
Shownotes
In dieser Folge geht es um die Kunst des strategischen Rückzugs, sowohl im historischen Fechten als auch in persönlichen und beruflichen Konfliktsituationen. Erfahre, wie die Prinzipien des Fechtens – Angriff und gezielter Rückzug – sich auf alltägliche Herausforderungen und Konflikte anwenden lassen. Eine Lektion in Taktik und Lebenskunst.
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Christian Bott - der mit dem Schwert coacht. Fechtmeister • Speaker • Trainer • Coach
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Angriff ist die beste Verteidigung. Das hast du auch schon gehört, oder? Vielleicht hast du auch gehört, dass wenn du dein Gegenüber wirklich überwinden willst, dann gibt es nur einen Weg, der heißt nach vorn. Im 15. Jahrhundert schreibt man so schön vor dem Versetzen "Hüte dich, geschieht es doch, so müht es dich". Wenn ich das jetzt falsch übersetze, oder sagen wir mal etwas einseitig übersetze, dann würde es heißen "Vor dem Parieren hüte dich, geschieht es doch, so müht es dich". Das heißt pariere nicht, sondern greif an. Lassen wir das mal so stehen. Was denkst du darüber? Angriff ist die beste Verteidigung. Ich begegne dem tatsächlich sehr sehr oft. Nicht alltäglich, aber doch oft genug, um heute darüber zu sprechen. Angriff ist die beste Verteidigung, kann ganz schön nach hinten losgehen. An der Stelle möchte ich dich dafür ermutigen, nach hinten loszugehen, aber selbst nach hinten loszugehen. Das ist nicht, weil die Strategie oder die Taktik dir um die Ohren fliegt, sondern weil du das selbst planst. Was meine ich damit? Gehen wir mal ins Fechten hinein. Wenn ich mir einen Schwertkampf ansehe, dann besteht er aus zwei großen Phasen. Ich plane, was ich als nächstes tun möchte, dann gehe ich rein, führe es aus und gehe wieder raus. Also denken und handeln. Das ist wichtig. Wenn ich reingehe, gibt es wieder drei Phasen. Erstens, ich bin im zufechten, wie man sagt. Das heißt, ich bereite ganz konkret vor, was ich gleich tun werde. Dann kommt der Kontakt und dann kommt der Abzug, nennt man das. Das heißt, ich ziehe mich sicher wieder zurück, ohne dass ich vielleicht noch mal im Nachhinein getroffen werde, falls ich irgendwie meinen Angriff nicht richtig durchziehen konnte. Was steckt hier drin? In jedem Gang, also das heißt in jedem Kontakt, den ich herstelle, steckt ein Rückzug drin. Das ist das Wichtige. Wenn die eigene Taktik abgefochten ist, muss ich zurück. Und dafür möchte ich dich heute sensibilisieren, weil wir Rückzug so eigenartig belegen. Wenn wir sagen, jemand geht in einen Rückzug, dann klingt das so, er gibt auf. Dann klingt das auf jeden Fall nicht so, dass man sagt, boah, das ist ein Held. Rückzug ist aber etwas immens Wichtiges. Nicht nur im Sinne von habe Mut, mal in den Rückzug anzutreten, sondern wenn du das nicht machst, dann wirst du verlieren. Und zwar tatsächlich ziemlich sicher in so nahezu jeder Herausforderung. Aber was bedeutet das? Wenn ich da ein bisschen die Geschichte hinein sehe, dann kennen wir eine Art von Kampf, die wir alle schon mal irgendwie in irgendeiner Form in Filmen oder sonst wo gesehen haben. Das ist das sogenannte Ritterturnier. Schon gehört oder gesehen, denke ich mal. Was bedeutet Ritterturnier? Was bedeutet Turnier? Turnier kommt von Turnare, also umdrehen. Und tatsächlich geht man davon aus, dass damals im Mittelalter trainiert wurde, zu wenden. Also das ist jetzt nicht so, dass die ganzen Ritter auf ihren Pferden permanent im Kreis galoppiert sind, um das Wenden zu üben. Es geht um diese taktische Situation, rechtzeitig umzukehren. Wie lief das ab? Du hast eine breite Phalanx, in der gepanzerte Reiter in ein gegnerisches Heer rein reiten, wie auch immer man sich das vorstellen mag. Da gibt es viele kontroverse Themen dazu, kann ich an anderer Stelle mehr dazu erzählen. Aber es gibt irgendwann den Moment, an dem dieser massive Angriff zum Stehen kommt. An dem alles getan ist, was getan werden konnte. Und jetzt ist man zum Stehen gekommen. Und jetzt heißt es umdrehen, raus, neu formieren. So schnell wie möglich. Turnare, umdrehen. Das heißt, wenn wir sagen, wir denken an ein Ritterturnier, dann sollte man eigentlich an ein Turnier denken, an eine Übung denken, bei der diese Krieger gelernt haben, sich zum richtigen Zeitpunkt richtig und schnell genug zurückzuziehen. Das gehört zum Kämpfen. Im Fechten ganz genauso, haben wir gerade gesagt. Jede Taktik beinhaltet einen Abzug, einen Rückzug. Und das ist etwas, wofür ich dich heute sensibilisieren möchte, was ich heute, wo ich dein Augenmerk darauf richten möchte, dass das so wichtig ist. Und ich möchte dich fragen, wann trittst du deinen Rückzug an? Deinen taktisch eingeplanten Rückzug. Zum Beispiel in einem Konfliktgespräch. Wenn das Konfliktgespräch eine Wendung nimmt, an dem du das Gefühl hast, das, was ich hier einbringen wollte, das, wo ich hin wollte mit meiner Partnerin oder meinem Partner in diesem Gespräch, das ist hier zum Erliegen gekommen, das geht gerade in eine Richtung, die nicht gut ist, dann darf es ein Rückzug sein. Ein Rückzug heißt nicht, renne aus dem Zimmer oder sage, ich rufe dich an, ruf mich nicht an. Nein, ein Rückzug heißt einfach nur erstmal vielleicht das Gespräch unterbrechen. Vielleicht an einem neuen Termin weitermachen und einfach kurz mal einen Kaffee trinken oder einen Tee. Ein Rückzug kann auch sein, ich trete ein paar, fechterisch gesprochen, ich trete ein paar Schritte von meinem Gegenüber zurück und habe jetzt ein bisschen mehr Zeit, zum Beispiel, wir gehen wieder ins Gespräch, mal genau hinzuhören, was wird da gerade gesagt. Wir hören gerne zu, aber nicht hin. Wir sind gerne da, so ein bisschen auf Hab Acht unsere eigenen Sachen wieder anzubringen, aber mal wirklich hinhören. Oder auch mal nachfragen. Man nennt das aktives Zuhören oder Paraphrasieren. Mal nachfragen, hey, wenn ich dich richtig verstanden habe, möchtest du mir damit sagen das und dann in eigenem Wort nochmal wiederholen. Zeit finden, Ruhe einkehren lassen, das ist so wichtig. Wenn ich in einem Gefecht nicht zurückgehe, keinen Rückzug einbaue, dann wird nur eines kommen, Doppeltreffer. Denn ich kann überhaupt nicht mehr darauf reagieren, was mein Gegner macht, der ist viel zu nah und wir werden uns permanent gegenseitig treffen. Am Ende sind beide verletzt, zumindest mal taktisch, im Gespräch wäre es seelisch, sind beide verletzt und gehen raus und sagen sich, was war das für ein Mist. Im Gespräch wissen wir, wir kennen solche Kämpfe. Ich als Fechter kenne sie auch in der Halle, aber die Frage ist tatsächlich immer mal wieder, wann gehst du in den Rückzug oder wann hast du vielleicht auch in den letzten Kämpfen, Gesprächen, wie auch immer, deinen Rückzug vergessen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt, das muss nicht nur das Konfliktgespräch um die Ecke sein, das kann in größeren Bereichen sein auch. Wann bist du zum Beispiel im unternehmerischen Kontext, wann verlässt du eine festgefahrene Verhandlung, wann terminierst du die neue Verhandlung zu einem neuen Termin, also wann unterbrichst du sie und sagst, wir machen an anderer Stelle weiter. Wann ziehst du dich aus einem unrentablen Projekt zurück oder wann zieht dieses Unternehmen zurück, wann werden Produkte aufgegeben, die nicht mehr funktionieren. Aber auch natürlich, klar, wann muss man sich von Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in einem Unternehmen verabschieden, mit denen es nicht mehr weitergeht, wo man sagen würde, der richtige Mensch am falschen Ort. Wichtig ist natürlich immer vorher zu prüfen, aber wir dürfen wissen, dass Rückzug immer ein Teil der Taktik ist. Wer nicht den Schritt zurück kennt, wird nach vorne fallen und das ist wichtig, dass uns das klar ist. Ich habe, wenn ich zurückgehe, habe ich erst nachdem ich einen Schritt zurück gemacht habe, oftmals die Möglichkeit ein Change einzuleiten, die Situation zu verändern, weil ich dann erst einen Überblick über die Situation bekomme. Das kennst du auch, das kennst du, manche Fechter kennen das, viele Sportler kennen das und wir kennen das aus Konfliktgesprächen bestimmt auch, wir merken, was wir alles hätten sagen können, wie es alles hätte laufen können, oftmals erst im Nachhinein, weil wir diese Freiheit mental zu überblicken, was gerade dran wäre, meistens erst haben, wenn der Druck weg ist, wenn die Herausforderung weg ist. Dann funktioniert einfach unser Gehirn besser. Das ist doch schön beim Fechten. Beim Fechten lernt man erst planen, dann reingehen, ausführen, dann wieder raus analysieren, neu planen und dann wiederholt sich das. So läuft ein Gefecht ab. Das Schlimme, was passieren kann, wäre planen, reingehen, ausführen, drinbleiben, sprich im Kontakt, in der Nähe bleiben und einfach weitermachen. Dann kommen die Doppeltreffer, habe ich gesagt und im Konfliktgespräch ist das genau das, was wir manchmal falsch machen. Wir finden das nicht gut. Rückzug finden wir nicht gut. Das ist irgendwie unsexy. Ein Rückzug wird oft mit fehlendem Mut gleichgesetzt, aber im großen Ganzen ist tatsächlich ein geplanter Rückzug auf Mut, es weitsicht, hat nichts mit Schwäche zu tun. Und das ist etwas, was mir wichtig ist, das klar zu machen. Rückzug heißt immer raus aus dem direkten Kontakt, raus aus diesem permanenten Agieren und Reagieren, bedeutet aber nicht abhauen. Das heißt, wenn du dir eine Strategie aufbaust, wie du mit einer Situation umgehst, frage dich, wo sind deine Rückzüge da drin? Wo sind die Momente, wo du auf Abstand gehst? Das ist ein so wichtiges Mittel, um nicht permanent deine Ressourcen zu verbrennen. An der Stelle auch noch mal zu wissen, ein Rückzug gibt mir überhaupt die Möglichkeit, weil der Abstand hergestellt wird, zu analysieren, was ist denn gerade eben passiert. Wenn ich wieder in die Fechthalle gehe, dann habe ich das so, dass ich plane, was ich machen möchte. Ich gehe rein und führe es aus. Ich gehe zurück und analysiere und jetzt kommt ein ganz wichtiger Moment. Ich kann korrigieren. Ich kann überlegen, möchte ich das nächste Mal das noch mal so machen oder sollte ich was anderes tun oder sollte ich das, was ich getan habe, ein wenig verändern. Genau das Gleiche passiert in Verhandlungen. Eine Verhandlung läuft, wenn es dumm läuft, bis zu einem gewissen Punkt, wo sie festgefahren ist und dann wird ein neuer Termin angesetzt. In dieser Zeit hat man die Möglichkeit zu überlegen, wie wollen wir anders vorgehen. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt. Manchmal machen wir das so, dass wir bei Verhandlungen nach dem Unterbrechen der Verhandlung innerlich allerdings weiter streiten und die Eskalation anstreben. Aber im Großen und Ganzen funktioniert es genauso. Also nicht mit der Eskalation, sondern mit diesem rein, ausführen, raus, analysieren und neu korrigieren. Und das kann nur der Rückzug. Klingt jetzt so, als würde ich ein Plädier für etwas geben, was keiner macht. Meine ich gar nicht so. Viele wissen, bestimmt du auch, dass Rückzug wichtig ist. Ich möchte ein bisschen den Fokus darauf legen, dass wir in der Vorausplanung uns bereits fragen dürfen, wo mache ich einen sinnvollen Rückzug. Wo ziehe ich mich aus dem direkten Kontakt zurück, um analysieren zu können, meine Ressourcen wieder aufbauen zu können und auch korrigieren zu können, damit möglichst wenig Schaden und möglichst viel Erfolg da mir zuteil werden kann. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns immer wieder die Zeit nehmen, im Vorfeld in dieser Vorbereitung auf diese Dinge zu achten. Und so kommen wir mit unseren Ressourcen auch gut klar. Wir können rein, wir können alles geben, wir können im Kontakt, im Moment des Kontaktes alles geben, können rausgehen, regenerieren, neu aufbauen, wieder rein, alles geben. So funktioniert es nicht immer, aber sehr oft. In diesem Sinne wünsche ich dir, dass du lieber auf dem Weg zu deinem Erfolg, lieber zwei Schritte nach vorne und einen zurück gehst, als so lange vorwärts, bis du stolperst. Danke, dass ich dir das erzählen durfte. Danke, dass du mir zugehört hast. Wie sieht es bei dir aus? Hast du Erfahrung mit dieser Art von Rückzug? Wie erlebst du Rückzug auf der anderen Seite, wenn der andere das macht oder die andere? Und generell bin ich weiterhin gespannt auf deine Feedback und deine Erfahrungen über podcast@christianbodt.de. Alles Liebe und bis bald, dein Trainer und Coach Christian Bott.
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