#053 - Spiegeln und Leiten in der alltäglichen Kommunikation
Shownotes
Von der Fechthalle zur alltäglichen Kommunikation: Ein Einblick, wie unsere innere Haltung die Interaktionen mit anderen beeinflusst.
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Spieglein, Spieglein an der Wand. Wer ist der nervöseste im ganzen Land? Darum soll es heute gehen. Nicht um Nervosität, sondern darum, wie wir auf andere wirken und wie wir das, was uns entgegenkommt, in uns aufnehmen und auf der anderen Seite aber auch wieder nach draußen widerspiegeln. Wir sind in einer permanenten Wechselwirkung und das ist ein Thema, was uns immer wieder im Gespräch begegnet, was mir aber auch immer wieder in der Fechthalle begegnet. Und deshalb möchte ich dich heute mitnehmen in einen Blick aus der Freikampfsituation in der Fechthalle in die alltägliche Kommunikation im Beruf oder im privaten Umfeld. Fangen wir erst mal an mit der Frage, was bedeutet das überhaupt, wenn es heißt wir spiegeln einander? Nun kannst du dich ja vorstellen, wenn du in einen Raum eintrittst und dort andere Menschen sind, dann nimmst du sehr schnell wahr, wie die Stimmung im Raum ist. Das kennst du. Das reicht, dass dort ein Mensch ist. Das muss gar nicht eine große Gruppe sein und du nimmst relativ schnell wahr, was ist hier gerade los. Und diese Stimmung, die trifft natürlich bei dir innerlich auch auf die Themen, die du mitbringst, auf die innere Haltung, die du mitbringst, auf Gedanken, die dir durch den Kopf gehen, letzten Endes auch darauf, ob du mit dem rechten oder linken Fuß aufgestanden bist. All das zusammen baut etwas in dir, was du wiederum, ohne dass du das merkst, wieder nach außen sendest. Also mal angenommen, du gehst in ein Meeting hinein und die Stimmung dort ist ein bisschen unkonstruktiv. Der ganze Gesprächsverlauf ist ein bisschen schleppend, anstrengend, unkonstruktiv und du gehst rein oder du bist in diesem Meeting drin mit Vollbesitz, deine Ressourcen, dir geht es gut, der heutige Tag ist bis jetzt angenehm gelaufen, du bist so ein bisschen in deinem Fahrwasser drin und vielleicht fallen dir in diesem Moment, in dieser Zeit, die Impulse ein, die das Ganze so ein bisschen wieder auf Spur bringen, in diesem Gesprächsraum. Vielleicht bist du aber auch in diesem Raum mit Gedanken, die überhaupt nicht in diesen Raum reingehören. Vielleicht bist du in privaten Problemen, vielleicht hast du ein Thema in deiner Ehe, vielleicht hast du heute Ärger mit deinen Kindern gehabt, als du aufgestanden bist. Vielleicht bist du auch einfach nur, wie man so schön sagt, mit dem falschen Fuß aufgestanden und hast das Unternehmen betreten mit einer inneren Haltung von "lass mir heute boß meine Ruhe Leute". Du wirst anders reagieren, obwohl das Gleiche in diesem Meeting passieren würde, zumindest von außen kommend. Ich denke, das wird so ein bisschen klar, das heißt, auf der einen Seite bekommen wir, ich sage jetzt mal, etwas, was von außen auf uns auf uns zukommt, eine Stimmung, Formulierungen und es trifft etwas, was du selbst mitbringst. Und daraus entsteht was in dir und das wiederum spiegelst du nach außen. Bist du innerlich total genervt, wird ein Gespräch natürlich anders ablaufen, als wenn du innerlich frei und frohen Mutes bist. Und das wiederum wird auch deine Mitmenschen verändern und so geht es weiter und so fort. Das ist so dieses Thema spiegelnd. Du kennst das vielleicht, wenn du in so ein Spiegelsaal reingehst, in dem alle in alle Richtungen Spiegel sind, dann könnte man sich fragen, wo ist jetzt noch das Original? Und so ungefähr ist das auch, wenn Menschen miteinander kommunizieren. Wenn mehrere Menschen in einen Raum hineingehen, dann verändern sie sich, dann verändert das, was im Raum inzwischen den Menschen passiert, das, was jeder in sich trägt. Wir verändern unsere Stimmung, wir verändern unsere Gedanken, unsere Stimmungslage, all das. Und dieses Spiegeln, was da passiert, das passiert zum großen Teil unbewusst. Das hängt auch damit zusammen, dass wir grundsätzlich mal bestrebt sind, dafür zu sorgen, dass wir uns unserem Gegenüber angleichen. Das heißt, wenn ich jetzt laut rede und ganz hektisch bin und da ganz ganz nervös mit dir umgehe, dann wird dich das auch nervöser machen, als wenn ich ruhiger werde, dich einlade, ein bisschen zu entspannen, nonverbal und wir gemeinsam einfach mal ein bisschen die Ruhe einkehren lassen. Das verändert unser Gegenüber, das verändert dich, das verändert mich und das ist genau das, was zwischen uns passiert, zwischen uns Menschen. Und das ist manchmal gar nicht so unkompliziert. So schwer fällt es manchmal im Nachhinein zu sagen, was ist da genau in unserem Gespräch passiert. So viele Themen, Stimmungen, innere Haltungen, Erlebnisse am Tag beeinflussen das, wie ein Gespräch läuft. Und da wird permanent gespiegelt. Der eine beeinflusst den anderen und der andere beeinflusst wiederum uns selbst. Und einfacher wird das Ganze, wenn ich in die Fechthalle gehe, wenn ich mir anschaue, wie funktioniert ein Freikampf. Deshalb übertrage ich so gerne, weil die ganzen Prinzipien sich nur im Kampf wiederfinden lassen, aber einfacher runtergebrochen. Wenn ich in einen Freikampf reingehe, kannst du dir sicherlich vorstellen, habe ich natürlich auch einen Einfluss darauf, wie nervös und fahrig meine Gegnerin oder mein Gegner ist. Und ich selbst möchte gerne, dass mein Gegner keine unvorhergesehenen, zappeligen, gefährlichen Aktionen bringt. Nicht, weil ich jetzt Angst haben müsste, dass ich mich verletze. Wir sind gut geschützt und das ist alles in Ordnung. Aber wenn ich meine Taktik vorbringen will, dann brauche ich ein Verhalten meines Gegners, was ich in irgendeiner Form einschätzen oder zumindest mal verarbeiten kann. Wenn aber mein Gegner oder meine Gegnerin selbst gar nicht weiß, was er oder sie gleich macht, weil die Nervosität hochgeht, dann kann ich diesen Kampf taktisch auch schlecht beeinflussen. Das kennst du aus dem Gespräch auch. Wenn das Gespräch in eine Intensität reingeht, bei dem du keine Ahnung hast, was als nächstes passieren wird und dein Gegenüber auch nicht mehr, das Gespräch bekommt eine Eigendynamik, dann wird das taktisch sehr schwer, das noch mal zu fangen. Geht, aber es ist schwer. Und es ist genauso im Freikampf auch. Das heißt, ich muss mir überlegen, welche innere Haltung ich haben möchte, bevor ich in den Freikampf reingehe. Und das ist jetzt der schöne Moment. Wenn wir in der Freikampfhalle sind, wenn wir in der Fechthalle sind, dann gibt es bei ganz vielen, bei mir auch, so ein inneres, auch äußerlich sichtbares Ritual, was jeder so für sich so ein bisschen macht, jeder ganz privat so für sich, wie man sich innerlich so ein bisschen wieder runterholt, wieder erdet. Das klingt jetzt sehr dramatisch. Ich meine damit, du gehst in deinen ersten Freikampf mit dem rein, was du gerade aus dem Training oder aus deinem Alltag mitnimmst. Wie gerade die Woche war, wie du gerade innerlich drauf bist, so gehst du in den Freikampf rein und dann kriegst du eine Eigendynamik. Wichtig ist, sich vor dem Freikampf einfach kurz, ich sag mal so, innerlich zu erden, sich ein bisschen runter zu holen, auf null zu holen, in den Balance reinzuführen und sich dann zu überlegen, okay, mit welcher, mit was möchte ich dort jetzt reingehen. Das Wichtige dabei ist, man lernt Verantwortung dafür zu übernehmen, wie man auf sein Gegenüber wirkt. Warum? Weil man sofort die Quittung bekommt, wenn man es nicht tut. Das merkt man sofort und das ist ein ganz wichtiger Punkt, denn wir haben eine Verantwortung dafür, wie wir in eine, ich sag jetzt mal, Konflikt- oder Austauschsituation hineingehen. Was du mitbringst, das kannst nur du beeinflussen und das Ding ist, wenn wir jetzt in die Freikämpfe noch mal kurz reinschauen, dann kann man sagen, es ist sehr schwer für Fechter und Fechterinnen innerhalb des Freikampfes ihre innere Haltung noch mal zu verändern. Sehr schwer, das kennst du übrigens im Gespräch auch. Du kommst aus dem Gespräch raus und dir fallen sofort die Worte ein, die du hättest sagen wollen oder können. Im Nachhinein fällt uns das leicht, aber innerhalb des Gesprächs ist das so schwer. Oder du merkst, das ist irgendwie völlig entglitten oder es ging in irgendeine Richtung, die du nicht wolltest oder es ist irgendwas unterschrieben, was du nicht wolltest, fällt dir im Nachhinein dann ein. Und das ist der Punkt, außerhalb der eigentlichen Situation fällt es uns leicht, den Überblick zu haben, innerhalb des Gefechts oder des Austauschs fällt es uns potenziell schwerer. Das bedeutet, die Frage, das führt zu der Frage, wie gehst du hinein? Also was machst du vorher, bevor es losgeht, mit deiner inneren Haltung? Und das ist ein Punkt, der mir persönlich sehr wichtig ist, dass wir uns dessen immer wieder bewusst werden. Ich musste bei der Vorbereitung für diese Folge, musste ich an eine schöne Anekdote denken. Meine Partnerin, die arbeitet in Lauresham, das ist ein Freilichtlabor für experimentelle Archäologie unweit des Klosters Lorsch. Und in diesem Freilichtlabor wird unter anderem, wird so ein karolingischer Gutshof erforscht. Also man hat hier ein bisschen nachgebaut, die ganzen Häuser und die ganzen Gebäude dort, die ganzen Bereiche. Und dort wird erforscht, wie zum Beispiel man nach alten Methoden pflügen kann, wie einfach, wie man, sag ich mal, ganz grob in der Zeit der Karolinger hätte leben können, ganz vorsichtig gesagt. Worum es mir jetzt gerade geht ist, meine Partnerin hat erzählt, der Leiter dieses Freilichtlabors, der Klaus Kropp, er arbeitet mit Zugrindern. Und diese Zugrinder spannt er unter anderem vor einem Pflug und pflügt seine Wölbecker. Das Richtige ist, er sagt, das fand ich ganz, ganz spannend, er sagt, wenn ich innerlich nicht gut drauf bin, wenn ich irgendwie in Rage bin, wenn ich mich über irgendwas geärgert habe oder sonst wie und ich gehe dahin, dann werden die Rinder nervös durch die innere Haltung. Durch die innere Haltung. Und der Punkt ist, er muss sich im Vorfeld wieder runterholen, er muss sich beruhigen, bevor er Kontakt zu den Rindern aufnimmt, bevor er dort hinein geht und die Rinder holt oder eben näher aufbaut. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt. Es geht also nicht darum, verhalte dich ruhig, auch wenn du innerlich völlig tobst. Nein, es geht darum, deine innere Haltung zu verändern. Denn Tiere, nicht nur Rinder, jeder der mit Pferden arbeitet, der mit Hunden arbeitet und so weiter, würde das genauso abnicken, spüren genauso wie Menschen aber natürlich auch die innere Haltung, mit der wir vor ihnen sind. Bei einem Rind hat es halt direkt einen Einfluss, weil du, wenn du mit einem Zugrind arbeitest, die sind ja nicht gerade klein, das merkst du dann schon, wenn die nervös werden und das ist nicht ganz ungefährlich. Wie bei Menschen auch. Die brauchen keine Schwerhätte, um gefährlich zu werden. Das kann einfach auch unangenehm im Gespräch werden. Deshalb geht es mir darum, wirklich zu überlegen, wie gehst du hinein und wie das Ding ist, wenn wir in der Fechthalle sind, ich beobachte das so oft, dass Leute sich so ein bisschen wie so ein kleines Ritual durchgehen. Wenn wir jetzt aber ein Gespräch reingehen, machen wir das oft nicht. Wir gehen oft einfach so rein, wie wir halt sind. Ob das nur ein Meeting ist, egal was es ist, sobald es einigermaßen alltagstauglich ist, sobald es einigermaßen oft wiederholt wird, gehen wir einfach so rein. Wo du dich vielleicht vorbereitest, ist vielleicht ein Vorstellungsgespräch, weil es selten vorkommt, wenn überhaupt. Aber wenn es Gespräche sind, die du immer mal wieder hast, da gehst du oftmals vielleicht, oder ich würde das tun, unvorbereitet rein und da müssen wir aufpassen. Deshalb lade ich dich ein, dir zu überlegen, wie kannst du anfangen, dich zu routinieren, dir eine Routine zu überlegen, dass du immer öfter vor einem Austausch, einem Kontakt daran denkst, wie will ich dort hin. Routine, das ist der Punkt, um den es geht. Denn dann kannst du Verantwortung dafür übernehmen, was du aussendest, wie du da reingehst und natürlich auch ganz wichtig, du kannst dann auch Verantwortung dafür übernehmen, was es mit dir macht, was zu dir kommt, also was du aufnimmst. Weil wir eben wie in einem großen Spiegelsaal permanent am Spiegeln und Aussenden sind und dementsprechend eben aber auch uns immer überlegen dürfen, wie möchte ich das beeinflussen, was von mir rauskommt. Das ist ein Aspekt, der mir sehr am Herzen liegt. Raus aus diesen Automatismen. Das bedeutet, wir dürfen wissen, um das ein bisschen noch mal griffiger zu machen, wir haben Verantwortung für das, was wir aussenden, wir haben Verantwortung für das, was wir mit dem machen, was wir aufnehmen von außen und wenn wir an diesen beiden Momenten, an diesen beiden Eingangs- und Ausgangstoren bewusst werden, wenn wir uns dessen bewusst werden, was da passiert, wie wir innerlich vorgehen, dann ist schon viel gewonnen. Wir brauchen nicht von uns vorstellen, was wäre, wenn alle darauf achten würden, darüber müssen wir gar nicht gehen, fangen wir einfach bei uns selbst an. In diesem Sinne wünsche ich dir Klarheit, ich wünsche dir Bewusstheit für deine Wirkung in einem Raum. Es muss gar nicht ein Konflikt sein. Wenn du heute in den nächsten, in einen Raum eintrittst, das muss auch nicht das Meeting sein in deinem Unternehmen, das kann auch einfach nur das Betreten deines Arbeitsplatzes sein. Es kann auch einfach nur das Nachhausekommen zu deiner Familie sein oder auch das Empfangen eines anderen zu Hause. Jedes Mal, wenn wir aufeinandertreffen, wenn wir in Kontakt kommen, nonverbal oder verbal mit anderen Menschen, dürfen wir uns überlegen, wie möchte ich dort eintreten. Ich möchte es nicht komplizierter machen als es ist. Ich möchte auch gar nicht, dass du jedes Mal 15 Minuten meditierst, bevor du jemanden die Hand schüttelst. Das möchte ich gar nicht. Kannst du gerne tun, wird ein bisschen entschleunigen dein Alltag. Aber letzten Endes geht es mir vor allem darum, dass wir uns immer wieder immer mehr dessen bewusst werden. Und dann wirst du merken, dass wenn du in einer Austauschsituation bist, sagen wir mal, also muss ja kein Konfliktgespräch sein und du merkst, das wird gerade komisch. Dann fällt dir vielleicht dann schon auf, das wird gerade komisch, weil man gegenüber gerade richtig mies drauf ist. Und ich fange an, das auch aufzunehmen. Und schon bestehen Möglichkeiten. Ich kann man gegenüber drauf ansprechen, ohne Vorwurf. Ich kann auch selbst einfach mir kurz eine Pause gönnen oder einfach nur durch dieses Bewusstwerden es schon verändern. Wie auch immer, raus aus den Automatismen. In diesem Sinne wünsche ich dir jetzt endlich eine gute Woche und freue mich, dass ich dir das mitteilen durfte. Einen kleinen Einblick in das Thema Spiegeln. Eines meiner Lieblingsthemen beim Freikampf und beim Kommunizieren. Danke für deine Zeit. Ich freue mich auf dein Feedback über podcast@christianbott.de oder über all die anderen Kanäle, wie ihr es bereits macht. Habt eine gute Zeit. Ich freue mich aufs nächste Mal. Bis dahin, dein Trainer und Coach Christian Bott.
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