#054 - Die Welt hinter dem gesprochenen Wort

Shownotes

Diese Episode beleuchtet, warum wir manchmal wichtige Gedanken und Gefühle zurückhalten und wie dies unsere Interaktionen und Beziehungen prägt.


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Transkript anzeigen

Was möchtest du eigentlich sagen? Darum geht es in der heutigen Folge, denn wir tun das nicht. Wir sagen in der Regel nicht das, was wir wirklich wollen. Wir sprechen in der Regel das an, was uns stört, was wir verändern wollen, was uns auf den Zeiger geht, was uns nervt, das sprechen wir an. Da könnte man ja sagen, das ist doch eine gute Sache. Das ist doch genau richtig. Sag doch bitte das, was dich nervt, dann kann ich es ändern. Das ist so schnell gesagt, aber so einfach ist es gar nicht. Machen wir es leichter. Du kommst abends nach Hause zu deiner Familie und deine Frau oder dein Mann sagt zu dir, du bist schon wieder zu spät. Vielleicht wird es auch schon ein bisschen pauschalisiert, indem du hörst, du kommst immer zu spät. Nie kommst du pünktlich. Und jetzt wäre die Frage, wie reagierst du? Du guckst vielleicht auf die Uhr und stellst fest, fünf Minuten nach der abgesprochenen Zeit. Vielleicht denkst du dir in dem Moment, meine Güte, diese fünf Minuten. Echt jetzt? Wegen dem einen Streit anfangen? Ist ja großartig. Vielleicht guckst du auch auf die Uhr und stellst fest, meine Güte, diese halbe Stunde, das ist doch jetzt nicht so wild. Vielleicht machst du dir auch Gedanken darüber, warum du zu spät gekommen bist und findest das sogar noch gerechtfertigt. An dem Punkt gibt es weder einen Schuldigen noch einen Unschuldigen. Das ist einfach so, wie es ist. So funktioniert das oft. Jetzt können wir aber fragen, warum kommt denn dieser Satz? Na ja, dann wird relativ schnell klar, dein Gegenüber würde vielleicht sagen oder würde denken in dem Moment, ich möchte, dass du pünktlich bist. Das wäre die Umformulierung. Okay, jetzt sind wir in der Ich-Botschaft. Das haben wir auch alles verstanden. Aber warum? Warum will denn jemand, dass der andere pünktlich ist? Das ist eine wichtige Frage. Denn jetzt fangen wir an, dahinter zu gucken. Das ist eine ganz einfache alltägliche Situation, keine große Nummer. Wenn wir jetzt anfangen, dahinter zu gucken, stellen wir vielleicht fest, der Partner oder die Partnerin sagt, ich möchte mich auf dich verlassen können. Vielleicht steckt dahinter ein Thema, ich habe das Gefühl, du interessierst dich nicht dafür, was mir wichtig ist. Und dein Zu-spät-Kommen ist nur ein Symbol dafür. Vielleicht steckt dahinter aber auch einfach nur, hey, ich möchte meine Zeit besser planen können. Mir ist völlig egal, wann du kommst, ob du jetzt kommst, ob du in einer halben Stunde kommst, ob du zwei Stunden später kommst. Aber ich möchte es wissen. Es gibt viele Möglichkeiten, die dahinter stecken. Aber erstmal kommt dir gegenüber vielleicht der Vorwurf. Vielleicht geht es dir auch gar nicht um Zu-spät-Kommen. Vielleicht hörst du andere Themen. Letzten Endes ist aber wichtig zu wissen, wir sprechen das an, was wir jetzt als störend empfinden, oftmals, und nicht, was dahinter für ein Bedürfnis steckt. Du kennst dieses Konzept gewaltfreie Kommunikation bestimmt, wenn man immer wieder hört, redende Ich-Botschaft. Dann würdest du sagen, ich würde mir wünschen, dass du pünktlich bist. Ich bräuchte von dir mehr Verlässlichkeit. Ja, mag sein. Wichtig ist, noch weiter dahinter zu fragen. Warum? Weil wir erst dann anfangen, unterschiedliche Standpunkte verstehen zu können. Ich kenne das aus der Mediation. Da ist es ein großes Thema, einer der zentralen Punkte, dass wir hinter die Fassade blicken. Weißt du, am Anfang stehen oder sitzen, besser gesagt, Parteien gegenüber, die erstmal manchmal vermeintlicherweise unvereinbare Forderungen einander stellen. Nun, das ist auch keine Überraschung, sonst wären sie ja nicht in der Mediation. Aber dann ist die Frage, warum willst du das, was du willst? Man fragt genauer nach und stellt immer fest, was für Bedürfnisse eigentlich dahinter stecken. Und nicht nur vordergründige Bedürfnisse, sondern richtig tief reingefragt. Und dann irgendwann passiert ein spannendes Phänomen. Auf einmal ist bei diesen verhärteten Fronten zu sehen, dass Verständnis entsteht. Dass jemand sagt, im übertragenen Sinne, das, was du forderst, das sehe ich nicht, wie ich das erfüllen soll, aber warum du das willst, das kann ich verstehen. Und auf einmal kommt Bewegung in das System. Und oftmals gibt es auf diesem Weg, wenn das eine Weile miteinander geht, einen Tag oder in mehreren Sessions, dann kommt man einem Punkt, an dem auf einmal Gemeinsamkeiten zutage kommen. Dass sie beide feststellen, im Grunde genommen haben wir ähnliche Bedürfnisse. Wir sitzen in verschiedenen Positionen in unserem Unternehmen oder in unserer Abteilung, in unserem Projektteam, in der Familie, wo auch immer und haben daraus resultierend gegensätzliche Forderungen. Aber im Grunde genommen haben wir echt Verständnis dafür, was der andere will. Denn ich will eigentlich genau das Gleiche. Und jetzt ist Klärung möglich. Und dieser Punkt, der findet natürlich nicht nur in der Mediation statt, der findet tagtäglich statt. Diese Verzerrung zwischen dem, was wir hören, zwischen dem, was wir sagen und dem, was eigentlich dahinter steckt. Jetzt ist die Frage, wie gehen wir damit um? Wie gehen wir denn damit um, wenn wir wissen, dass das, was wir hören, nicht immer das ist, was dahinter steckt? Nun zuerst kann man sich erstmal sagen, das ist überhaupt nicht einfach, dahinter zu blicken. Auch für dich, wenn du das hörst, was dir gesagt wird, denn oftmals wird das in Form von Vorwürfen, Anschuldigungen, Pauschalisierungen an dich herangetragen. Warum? Weil oftmals Menschen erst dann anfangen zu kommunizieren, wenn es brennt. Und dann sind Grenzen verletzt. Und dann ist man eben nicht mehr in der besonnenen, entspannten Art zu kommunizieren. Das ist alles nicht schlimm, wir dürfen es aber wissen. Und das bedeutet zum einen, wenn du das Gefühl hast, hey, bei dem, was ich hier gerade höre, da steckt doch was dahinter. Da steckt was dahinter, was größer und vor allem tiefer ist. Dann empfehle ich dir, geh nicht voll rein in diesen Kampf. Jetzt, hier, in diesem Moment. Gerade dann, wenn du das Gefühl hast, hey, dieser Vorwurf, es ging über dem, was gerade passiert ist, was ich gerade gemacht habe, irgendwie unverhältnismäßig. Dann schreit das danach, dass da was dahinter steckt. Dann versuche nicht, in die Gegenverteidigung zu gehen, das Gegenfeuer zu eröffnen und die Eskalation hochzufahren. Geh raus, also nicht, verlass nicht sofort die Wohnung, das wirkt auch manchmal eskalierend, sondern geh nicht ins Gegenfeuer rein. Versuche runter zu kommen, versuche euch beiden die Gelegenheit zu geben, ein bisschen raus zu kommen, ein bisschen runter zu kommen. Und dann, vielleicht kannst du dich in einer ruhigen Minute fragen, wenn du in dieser Position wärst, wenn du an der Stelle deines Gegenübers wärst und dich da so ein bisschen reinfallen lässt in diese Vorstellung, könntest du dich vielleicht fragen, was wäre denn an der Stelle meines Gegenübers, mein eigentlicher Wunsch dahinter? Warum wird das so gesagt? Und ganz schnell switcht man dann wieder in die Eigenposition rein. Versuche aber mal in dieser Gegenposition zu bleiben. Und dann darf man sich immer wieder fragen, warum wird das gefordert, warum wird das so gesagt, was könnte dahinter stecken, was wäre mein Thema dahinter? Wir müssen ein bisschen vorsichtig sein, man neigt dann ganz schnell zu Überinterpretationen oder Fehlinterpretationen, aber es ist ein erster Schritt. Es ist erst ein erster Schritt, wenn man sich hinsetzt und sich überlegt, ich könnte mir vorstellen, dass vielleicht das und das dahinter steckt und das würde mir ein bisschen leid tun, wenn das so ist. Vielleicht hilft es auch, das kommt immer auf eure Dynamik an, zu fragen, kann es vielleicht sein, als du vorhin so und so reagiert hast, dass du eigentlich folgendes möchtest. Die Formulierung gibt es, da gibt es keine Pauschale, das hängt wirklich von eurer Art zu kommunizieren ab, aber grundsätzlich ist es eine Option nachzufragen. Anders, was ein bisschen schwieriger ist, aber auch sehr wichtig, ist die Frage, wie gehst du denn damit um, wenn du weißt, dass du selbst nicht immer das sagst, was in dir los ist. Zum Beispiel, wenn es um eine andere Person geht, dann kannst du dich fragen, bevor du losrennst, bevor du in den Kontakt gehst, bevor du in den Fight gehst, in den Kampf gehst, was willst du eigentlich, was steckt für dich dahinter und das ein bisschen noch klarer formuliert, was will ich, was brauche ich und nicht, was will ich, dass er oder sie tut, sondern erstmal, was brauche ich. Also tatsächlich, mir geht es jetzt hier nicht um eine formulierte Ich-Botschaft, das ist schön, machen wir alles, aber mir geht es darum, dass wir wirklich reinhorchen, was brauche ich. Wenn ich mich beschwere, dass mein Gegenüber immer zu spät kommt, dann kann ich mich fragen, was brauche ich denn eigentlich dahinter. Nicht, was brauche ich, was der andere machen soll, sondern dahinter noch, was steckt für mich dahinter. Ich möchte vielleicht meinen Tag besser planen, ich brauche ein bisschen Zuverlässigkeit, wie auch immer. Was brauchst du tatsächlich für dich? Das darfst du dich fragen, bevor du auf eine andere Person zugehst. Genauso kann man sich dann auch fragen, wie kannst du das umformulieren, wie kannst du das so formulieren, dass der Person verständlich wird, indem du ihm nicht sagst, du kommst immer zu spät, sondern vielleicht kannst du sagen, weißt du, wenn du immer zu spät kommst, das ist ja in Ordnung, wenn du später kommst, aber ich bräuchte von dir ein Feedback, weil ich möchte die Zeit davor für mich planen können. Also brauche ich von dir irgendwie, wäre schön, wenn du mir rechtzeitig schreiben könntest oder wir machen, was können wir tun, wie kannst du mir da irgendwie helfen. Das Wichtige zu wissen ist, in dem Moment, wenn du das nennst, was dahinter steckt, ist das oftmals nicht mehr in einem Vorwurf drin und dementsprechend sorgt es dafür, dass du dich ein bisschen mehr öffnest deinem Gegenüber. Das ist nicht immer schön, das kommt darauf an, was für eine Dynamik ihr habt, das muss ja jetzt nicht immer die heimische Beziehung sein, das kann unter Freunden, das kann unter Kollegen, das kann unter Vorgesetzten sein. Wenn du dich an der Stelle ein bisschen öffnest, du machst hier kein Sehensstrip, aber du sagst an der Stelle, ich bräuchte etwas, ich bräuchte mehr Planungssicherheit, ich bräuchte mehr Klarheit in der und der Situation, könntest du oder wie kannst du mir dabei helfen, was können wir tun, damit das für mich an der und der Stelle leichter wird. Du gebst dich ein Stück weit in eine Verletzlichkeit rein und wir hassen das, wir mögen es viel lieber zu schießen. Dann frage ich dich aber an der Stelle, wenn du schon so ein bisschen hinterleuchtet hast, was eigentlich das Thema dahinter ist, was dein Bedürfnis dahinter ist, was würde dir denn tatsächlich, was kann dir tatsächlich wirklich dadurch passieren, dass du dich an der Stelle ein Stück weit öffnest. Was kann wirklich passieren? Oftmals wollen wir das nicht und wenn wir uns fragen, was wirklich passiert, würden wir vielleicht sagen, im Grunde genommen würde nichts passieren. Mein Gegenüber würde nur ein bisschen mehr mich kennenlernen, ist das so schlimm? Wahrscheinlich nicht. Also wir haben oft Hemmungen an dem Punkt, obwohl wir, wenn wir es hinter Fragen feststellen, wir sind da gar nicht so gefährdet. Ich hoffe du kannst mir da folgen. Also wir sagen oft nicht, was dahinter steckt, weil wir uns eben auch ein Stück weit nicht so öffnen möchten. Wir machen uns verletzlich. Der andere kann nämlich auch sagen, nee mach ich nicht und dann stehen wir da. Aber es ist wichtig, denn in dem Moment, wenn du das ausgesprochen hast, wenn du das besprochen hast, also es geht ja nicht nur um One-Way, dann ist der Ball im Feld der anderen Person. Das ist beim Vorwurf auch so, aber beim Vorwurf ist völlig klar, was kommt. Es kommt ein Gegenvorwurf. Es wird ja nicht so sein, das wissen wir alle, auch wenn wir das immer wieder vergessen, man kann nicht einfach hingehen und dem anderen das jetzt mal von Latz hauen, sich umdrehen und sagen, so jetzt hat er mal was zum Nachdenken und wenn er mal ein bisschen nachdenkt, dann wird er auch merken, dass ich recht habe. So funktioniert der Kommunikation nicht. Da wäre vieles anders, ich weiß nicht, ob es leichter wäre, aber es wäre vieles anders auf jeden Fall zwischen Menschen. Nein, es passiert ja nicht. An dem Moment, wo ich schieße, kommt eine Antwort. Haben wir übrigens gerade, glaube ich, aktuell ziemlich deutlich. Aber die Frage ist, was brauchst du? Und wenn du mit der Zeit anfängst, darüber nachzudenken, dann kannst du dir nach und nach auch antrainieren, dafür ein bisschen sensibler zu werden, wann deine Grenzen überschritten werden. Weißt du, wenn du das Gefühl hast, du möchtest dem anderen jetzt mal endlich sagen, was dir schon seit einiger Zeit stinkt, dann fällt es dir viel schwerer, dich zu öffnen und dir dem anderen eigentlich dein Bedürfnis dahinter zu vermitteln, sondern du willst dir erst mal auf den Putz hauen, weil deine Grenzen schon einige Zeit verletzt wurden oder sehr weit verletzt wurden. Auch hier an der Stelle meine Einladung des Kämpfer aus anderen Bereichen schon, wisse darum, mach dir klar, was sind das hier für Grenzen. Und wenn du merkst, dass eine Grenze verletzt wurde und du schaust dahinter und siehst, was eigentlich für ein Bedürfnis dahinter steckt, was du eigentlich brauchst, wofür diese Grenze eben da ist, dann hast du auch mehr Sensibilität dafür, wenn das nächste Mal wieder dieses Bedürfnis in einen Mangel kommt. Das ist also so eine Gewohnheit, was einfach das Reflektieren hier angeht. Genauso ist allerdings auch die Frage, wenn du dahinter schaust, was ist eigentlich mein Bedürfnis, warum will ich gerade, dass mein Gegenüber folgendes oder jenes tut, dann könnte ich auch fragen, dann darfst du dich auch fragen, ist die Person, an die du dich wendest, überhaupt der Adressat dafür? Kann diese Person das leisten? Wenn du sagst, du kommst immer wieder zu spät, kann man das in einer Beziehung total nachvollziehen. Es könnte vielleicht in einer lockeren Bekanntschaft ein bisschen überfordernd wirken. Vielleicht auch nicht. Aber grundsätzlich ist es durchaus die Frage, wenn ich ein Bedürfnis bei mir dahinter entdeckt habe, ist mein Gegenüber der Adressat dafür. Ich weiß nicht, ob du das schon mal erlebt hast. Ich kenne das hier und da, habe ich das beobachtet, dass bei Freundschaften manchmal der Wunsch nach Verlässlichkeit und Geborgenheit auch die Freundschaft durchaus überlasten kann. Weil eigentlich ein Bedürfnis dahinter steckt, was eine Freundschaft gar nicht in dieser Form vielleicht erfüllen kann oder nicht diese Freundschaft. Deshalb ist die Frage, ist dein Gegenüber tatsächlich überhaupt der Adressat? Und auf der anderen Seite kann es natürlich auch so sein, dass es gar nicht um andere Menschen geht. Das wäre ein weiterer Bereich. Das wäre der letzte Bereich. Wenn du etwas tust, dann sagst du nicht etwas, wenn du nicht an einen anderen Menschen wendest. Aber wenn du etwas tust, darfst du dich auch fragen, warum tue ich das wirklich? Du kommst abends nach Hause, machst erstmal eine große Flasche Bier auf, lässt sie aufs Sofa sinken und lässt sie reinlaufen. Mal ganz pauschal gesagt. Jeden Abend das Gleiche. Brauchst du das Bier? Manchmal, ich habe das von Leuten schon gehört, klingt das so hart, ich habe das von Leuten schon gehört, die einfach sagen, hey, ich will dann abends runterkommen. Ich will mich auch für was belohnen. Und da möchte ich mich hinsetzen, ich möchte mein Bierchen trinken und ich will, dass mich dann auch keiner blöd anmacht. Ich will mich einfach mal entspannen und für den Tag belohnen. Das schreit so sehr nach Thema danach, nach Bedürfnis dahinter. Wofür willst du dich denn belohnen? Ich will nicht in Frage stellen, dass du was Gutes gemacht hast, aber warum hast du das Gefühl, am Ende des Tages eine Belohnung zu brauchen? Bist du bis jetzt leer ausgegangen? Wow! Ich verhöhne das gerade nicht, sondern das ist schlimm, da musst du was verändern. Dann dürfen wir was verändern an dem Tag. Und zwar generell, wie läuft der Tag ab, dass es am Ende passiert, eine Belohnung brauchen zu müssen? Dann darfst du dich fragen, kann ich was verändern? Dass ich am Ende des Tages eben nicht das Gefühl habe, jetzt endlich bin ich dran. Endlich ich, wie es so schön in dem Lied heißt. Vielleicht sollte das im Laufe des Tages schon vorkommen. Also ich möchte dich jetzt nicht dazu anhalten, in der Mittagspause schon das Bier zu trinken. Mir geht es um die Frage, warum hast du überhaupt das Gefühl, dich belohnen zu müssen? Das ist jetzt ein Beispiel, kann das alles mögliche sein. Warum gehst du alle zwei Wochen Bungee Jumping? Damit du dich endlich mal spürst. Da kann man auch fragen, was ist eigentlich das, was dahinter steckt? Warum spürst du dich nicht? An so vielen Stellen dürfen wir uns also fragen, was steckt dahinter und dann natürlich auch fragen, ist das, was ich dafür tue, tut mir das gut? Tut mir das gut? Also wenn du abends nach Hause kommst und dich erst mal auf dein Rad schwingst und eine halbe Stunde Fahrrad fahren musst, damit du wieder klarkommst und dann nach Hause kommst, lade ich dich auch ein zu fragen, warum hast du das Gefühl, dich belohnen zu müssen? Gleichzeitig darfst du aber oder dürfte man wahrscheinlich für sich schon mal klarstellen, Fahrrad fahren ist jetzt nicht so schlimm, das schadet dir nicht. Die Frage ist gerechtfertigt, aber da mag doch vielleicht die Antwort sein, es schadet dir wahrscheinlich nicht. Es sei denn, es ist abends um halb neun, wenn du nach Hause kommst und deine Familie hatte ich den ganzen Tag nicht gesehen, dann schadet es auf andere Art und Weise. Aber ich glaube, du weißt ganz genau, worauf ich hinaus möchte. Wir dürfen also hinterfragen, tut mir das gut, was ich da mache, um mein Bedürfnis zu stillen? Was du machst, um dein Bedürfnis zu stillen? Und dann können wir uns natürlich fragen, was gibt es für alternative Wege? Denn oftmals, ich habe gesagt, wir sprechen auf das an, was vordergründig da ist, oftmals handeln wir auch so. Und weißt du, wenn wir etwas tun, weil wir das Bedürfnis haben zum Beispiel, uns belohnen zu müssen oder wenn wir das Bedürfnis haben, uns wieder spüren zu wollen, wie auch immer, dann ist das ja etwas, dann tun wir etwas, was das Ganze nur kompensiert. Dann tust du vielleicht etwas, was dem Ganzen nur für diesen Moment Abhilfe schafft. Wow, das klingt jetzt so, als würde ich jetzt hier einen Suchtpräventions-Podcast führen. Kann man vielleicht auch mal machen, aber darum geht es mir jetzt gar nicht. Mir geht es wirklich darum, dass wir lernen, uns zu hinterfragen. Ich möchte dich natürlich anhalten, dass du dich darin nicht verlierst, dass du nicht in so ein permanent grübeln reinkommst, aber ein bisschen einen Blick dahinter dürfen wir durchaus machen. Wenn du etwas beobachtest bei dir, bei dem du irgendwie schon dich wunderst, warum ist das andauernd bei mir so, warum werde ich andauernd wütend, warum werde ich andauernd melancholisch, wenn ich zur Arbeit gehe oder was auch immer, dann dürfen wir uns fragen, warum passiert das und was steckt eigentlich dahinter, was brauche ich eigentlich. Ja, das war vielleicht ein bisschen ein gehaltvolleres, schwereres Thema. Ich finde es aber wichtig und ich freue mich immer darüber, wenn wir, auch wenn es unangenehm wird, aus Automatismen rauskommen. Und das Ansprechen, was vordergründig ist, das Nicht-Ansprechen, nicht-Bedenken, was dahinter steckt, das ist ein sehr starker Automatismus, der so oft greift. In diesem Sinne, raus aus den Automatismen, rein in die nächste Woche. Ich wünsche eine schöne Woche. Ich danke dir, dass ich das wieder heute mit dir teilen durfte. Ich freue mich weit über den Feedback und sage jetzt auf bald. Dein Trainer und Coach Christian Bott.

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