#056 - Flexibilität neu definiert: Führungskompetenz aus der Fechtkunst
Shownotes
Wie Flexibilität im Fechten eine tiefe Verbindung zu eigenen Stärken und der richtigen Taktik erfordert und eine Brücke zu effektiver Führung und persönlichem Wachstum schlagen kann.
Hast Du eine Anregung zum Podcast oder wünschst Du Dir ein spezielles Thema? Dann freue ich mich über eine E-Mail von Dir an: podcast@christianbott.de
Christian Bott - der mit dem Schwert coacht. Fechtmeister • Speaker • Trainer • Coach
Du möchtest Du Dein Potential kennenlernen und entfalten? [https://christianbott.de/coaching/]
Du möchtest von Deiner Vision in die Umsetzung kommen und suchst eine klare Strategie, wie Du Dich auf dem Weg zum Ziel nicht verzettelst? [https://christianbott.de/coaching/]
Du brauchst jemanden, der Dir während einer Zeit der Herausforderung zur Seite steht? [https://christianbott.de/kennenlernen/]
Du suchst ein Seminar oder einen Vortrag für Dein Unternehmen? [https://christianbott.de/seminare-trainings-vortraege/]
In jedem Fall freue ich mich auf Deinen Besuch: [https://christianbott.de]
(Auf meiner Webseite findest Du weitere Infos und auch den Link zur Fechtschule Krîfon.)
Meinen Podcast findest Du auf Apple Podcasts (ehem. iTunes), Spotify, Deezer, Amazon Music / Audible, Google Podcasts, Samsung Podcasts, YouTube und anderen Portalen: [http://christian-bott.podigee.io/]
Transkript anzeigen
Heute reden wir über ein Thema voller Missverständnisse. Gleichzeitig ist es im Fechten essentiell, im Privaten ist es hilfreich und in Unternehmen bereits eine Schlüsselkompetenz vieler Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Entweder ist sie da oder sie wird vom Unternehmen gewünscht und gefordert. Es geht um Flexibilität. Was kommt dir in den Sinn? Ganz spontan und emotional, wenn du an das Wort Flexibilität denkst. Ich persönlich habe früher damit nicht viel Gutes verbunden, muss ich zugeben. An der Stelle habe ich oft gedacht oder empfunden, sei ein anderer. Flexibilität möge heißen, sei ein anderer. Mach dich passend, damit es passt. Sei so, wie deine Umwelt dich haben will, wie es für deine Umwelt passt. Das könnte man unter Flexibilität vielleicht verstehen. Für mich war das früher so. Genauso mag es vielleicht ein Unternehmen so sein, dass der eine oder andere darunter versteht. Sei stets der Mitarbeiter, der zu der Anforderung passt, die wir an dich stellen. Sei für jeden Kunden, egal wie schräg er ist, der auf dich zukommt, der perfekte Mitarbeiter oder perfekte Service, der gerade nötig ist. Das ist Flexibilität allerdings nicht. Das habe ich gelernt, spätestens als ich angefangen habe zu fechten. Ist jetzt ein paar Jahre her, etwas über 30, aber an der Stelle war das für mich sehr schnell was ganz anderes. Denn mit der Zeit baut man sich im Freikampf Taktiken auf. Und man erkennt gewisse taktische Manöver, die zu einem passen. Wo man sagt, ja das ist mein Ding, das kann ich gut. Und dann kommt die große Überraschung. Dann fällt einem eine super Taktik ein, man greift sein Gegner an und stellt fest, der Gegner hat diese Taktik leider gar nicht verstanden. Ist dann schwierig, wenn ich eine tolle Finte vorbereite, also einen Scheinangriff, auf den mein Gegner hereinfallen soll und dann, checkt das nicht, rennt man voll in die Klinge rein. Das bedeutet, dass Flexibilität hier an der Stelle nicht heißt, passe dich deinem Gegner an. Flexibilität heißt hier, wähle die Taktik, die zu deinem Gegner passt. Im 14. Jahrhundert wird hier ein Fechbuch von einem Fechter sehr deutlich und sehr handhabbar. An der Stelle sagt der Autor im 14. Jahrhundert, wähle ein Stück, also sagen wir mal wähle eine Taktik, die du willst. Man könnte auch sagen, die du kannst, die zu deinem Repertoire gehört, die dein Ding ist und eine, die passend ist zu deinem Gegenüber. Hier kommen zwei Welten zusammen. Deine Skills, deine Talente, das was du kannst und das was nötig ist. Das eine ohne das andere hilft halt leider nicht. Wenn du das immer machst, was du kannst im Freikampf, wie auch sonst, aber es ist unpassend, hast du nicht viel von. Genauso, wenn du dich dem Gegner näherst und versuchst alles so zu machen, dass zum Gegner passt, aber du bist nicht in dem, was du wirklich gelernt hast, hilft dir natürlich auch nicht. Und das liebe ich so sehr. Im Freikampf ist es ein ganz wichtiges Gut, zu deinem Gegenüber einen Kontakt aufzubauen, einen empathischen Kontakt und gleichzeitig den Kontakt zu dir selbst nicht zu verlieren. Diese Ausgewogenheit ist Flexibilität par excellence, zumindest im Fechten und ich glaube nicht nur da. Flexibilität heißt also, verbinde das, was du kannst, deine Erfahrungen, deine Skills, das was du gelernt hast, auch das was dir wichtig ist, deine Werte, all das mit dem, was gefordert wird, was wichtig ist, was gewollt ist, was du brauchst, was dein Gegenüber braucht und so weiter und so fort, was die Welt braucht, wie auch immer. Dieses Band dazwischen ist Flexibilität, in meinen Augen. Im Fechten habe ich angefangen, nicht nur, also meine Taktiken wurden immer mehr, die ich konnte und im Fechten habe ich angefangen, verschiedene Fechtweisen für mich zu erarbeiten. Das empfehle ich immer meinen Schülern, das erarbeiten wir immer wieder, dass man verschiedene Fechtmodi hat, also den einen Modus und noch einen anderen Modus und so weiter, bis man in der Lage ist zu sagen, der Gegner ist gerade einer, für den ich den Modus Nummer 2, wie auch immer, wähle, bei dem ich vielleicht ein bisschen agiler arbeite, bei dem ich ein bisschen mehr in die Offensive vielleicht gehe und ein anderer Gegner braucht hier ein bisschen mehr Passivität, Abstandsmanagement und so weiter. Verschiedene Modi. Jeweils was du tust, muss aber gelernt sein, das musst du können, sonst brauchst du den Modus nicht. Soweit dazu. Also Flexibilität ist hier an der Stelle etwas aus der Fechthalle nach draußen gesprochen, die Verbindung von dem, was du kannst, zu dem, was du brauchst, was dein Gegenüber braucht. Und hier kann man ein bisschen weiter aus der Fechthalle raus blicken. Wenn wir in ein Unternehmen reinschauen, wir haben hier oft das Thema Führung von Menschen. Das wird so gehypt und es wird auch so hoch thematisiert. Vollkommen zu Recht, es gibt ganz viel Literatur, die dir erzählt, wie Menschen geführt werden. Seriöse und gute Literatur. Da kannst du, ich glaube, du kannst länger lesen, als du lebst, um das dir alles reinzuziehen. Und ich möchte das gar nicht kleinreden, im Gegenteil, das ist sehr, sehr wichtig. Aber irgendwann hast du deinen Kopf voll von, wie führe ich Menschen. Und jetzt sitzt jemand vor dir in deinem Unternehmen, in deinem Team, bei dem du das Gefühl hast, der braucht gerade was ganz anderes. Das ist okay. Jetzt kommt Flexibilität rein. Verbinde das, was du kannst, verbinde das, was du gelernt hast, zu dem, was gerade gebraucht wird. Verlierst du den Kontakt zu dem, was du gelernt hast, wie Menschen geführt werden sollten, dann wirst du jemand, der ganz weich wird. Jemand, der immer das tut, was sein Gegenüber braucht, was die Mitarbeiter brauchen, der so ein Lassie-Fair-Ding macht. Das ist keine Führung mehr. Führung heißt aber auch nicht, dass ich nicht nach hinten sehe, zu den Menschen, die hinter mir sind. Führung heißt, dass ich eine Verbindung herstelle zwischen dem Ziel und den Menschen, die ich führe. Ich bin nur der Mittler. Aber das ist das Wichtige und das ist Flexibilität. In meinen Augen zumindest. Das ist ein Angebot meinerseits aus der Fechthalle. Und wenn du das so ein bisschen verinnerlicht hast, wird auch Flexibilität vielleicht ein etwas angenehmeres Bild. Wenn ich selbst so aus dem Fechten rede, aus der Fechthalle, dann komme ich an einem Punkt vorbei, der sehr oft zu beobachten ist oder der mir persönlich sehr oft auffällt. Das ist, wenn zwei Fechter miteinander fechten, dass der eine sich an den anderen oder die andere anpasst. Das passt so ein bisschen zu dem, was ich am Anfang gesagt habe. Ich habe erzählt, dass ich unter Flexibilität oft etwas verstand wie "mach dich passend zu deinem Gegenüber", "verändere dich, sei ein anderer". Und genau das passiert oft in der Fechthalle. Wenn zum Beispiel ein Linkshänder gegen einen Rechtshänder ficht, tut sich der Rechtshänder meistens schwer, weil er weniger Erfahrung mit Linkshändern hat. Viele wechseln jetzt an der Stelle auf Links. Da könnte man eigentlich sagen, das ist sinnvoll, das ist doch gut, aber wer hat mehr Erfahrung mit Links in der linken Hand zu fechten? Natürlich der Linkshänder oder die Linkshänderin. Dementsprechend verlässt der Rechtshänder das, was er kann, um das zu fechten, was er nicht kann. Um sich vermeintlicherweise anzupassen. Diese Kämpfe gehen fast immer schlecht aus, zumindest für den, der sich vermeintlicherweise anpasst. Die Frage ist also, was sind deine Stärken? Was ist das, was du kannst und nicht, was ist das, was dein Gegner kann? Schau dir das an, haben wir schon gesagt. Aber es geht darum, dass du auch bei dem bleibst, was du kannst. Bleibe in deinem Kampf, fechte nicht den Kampf des anderen. Ob du nun Fechter bist, ob du nun Leiter eines kleinen Unternehmens bist und dich fragst, bin ich noch dabei, gegen die Konkurrenz zu kämpfen oder bin ich noch dabei, das zu stärken und auszubauen, was mich und mein Unternehmen ausmacht. Es ist genau das gleiche. Die Frage ist, welchen Kampf kämpfst du, den deines Gegners oder deinen eigenen? Bleibst du deinen eigenen Werten gerade treu, deinen Zielen, deinen Prinzipien oder gleichst du dich nur noch deinem Gegenüber an? Das Wichtige ist, was wir eben hatten, die Verbindung von beidem. Hier genauso. Wir fangen also sehr schnell an, ohne dass wir das zu merken, uns auf unser Gegenüber einzulassen. Übrigens in Konfliktgesprächen ist das genauso. Habe ich einen Gegner oder eine Gegnerin, die sehr offensiv ist, also sprich mir viel über den Mund fährt, mir viel ins Wort fällt, so ein bisschen über mich rüber rennt, dann besteht die Gefahr, dass man das selbst auch anfängt zu tun. Man kämpft den Kampf des anderen, weil man das Gefühl hat, hey, der ist doch da viel stärker. Genauso erlebe ich das im Fechten wie auch in anderen Bereichen, wenn es darum geht, Talente auszubauen. Wenn Leute kommen mit einem gewissen Talent, lernen dieses Talent auszubauen, sei es im Fechten, sei es im Reden auf der Bühne, sei es im Schreiben, egal was, in handwerklichen Sachen und dann sehen sie jemanden, der darin viel besser ist. Tut das gut? Meistens nicht, vielen tut das nicht gut, weil sie sich selbst vergleichen. Das ist genau das Gleiche. In dem Moment denkst du, ich muss so sein wie der andere und an diesem Punkt ist immer wieder diese Frage wichtig, die wir so oft unseren Schülern im Freikampf stellen, zu wem hast du Kontakt? Zu deinem Gegenüber oder zu dir? Du brauchst zu beidem Kontakt. Diese Verbindung haben wir Flexibilität genannt. Es ist also ganz wichtig, dich zu fragen, bist du noch dabei ausschließlich gegen deinen Gegner zu kämpfen an der Stelle oder bist du dabei für deine eigenen Themen einzustehen? Das ist das, was ich gerade gesagt habe. Genauso kennen wir das natürlich auch, wenn es ein bisschen abdriftet in Konfliktgesprächen. Wenn das Konfliktgespräch gar nicht mehr das eigentliche Thema hat, sondern längst sich verselbstständigt hat. Kennst du das? Du gehst in einen Konflikt rein wegen einem bestimmten Thema, insofern du ihn selbst entfachst den Konflikt oder zumindest mal anstößt und irgendwann hat der Konflikt eine Eigendynamik und du fragst dich, warum sind wir eigentlich noch mal im Streit? Nicht selten ist es so, dass es dem Gegenüber auch so geht. Dann führen beide einen Kampf, Konflikte sind immer ein Kampf, ob mit Waffen oder ohne, dann führen beide einen Kampf, der seine Eigendynamik hat, den sie führen, weil der Kampf halt läuft. Kämpfe zu beenden, das ist immer schwerer als Kämpfe zu beginnen, weil sie eine Eigendynamik bekommen. Das ist wie ein großes Schwungrad, was du antreibst. Es ist leicht, das anzutreiben. Am Anfang dauert es eine Weile, aber irgendwann läuft es und dann stoppt das mal. Stoppt mal einen Kampf, der so richtig schön in seiner Dynamik in Fahrt gekommen ist. Das ist schwer. Manchmal verletzt man sich beim Beenden eines Kampfes mehr als beim Beginnen. Das sind alles Themen, die viele Zusatzthemen aufmachen, aber eben auch dieses Konzept Flexibilität drin haben, denn hierbei ist die Frage, bist du noch dabei, deinen Kampf zu kämpfen, in deinem Thema zu sein, in dem was ursprünglich wichtig war oder hast du dich selbst verloren? Hast du dein Ziel verloren? Hast du dein Warum verloren? Warum du da eingetreten bist? Bist du als Unternehmen nicht mehr dabei, das auszubauen, was dich besonders macht, was deine Kunden an dir lieben, was du in deinem Unternehmen reinträgst, sondern vielleicht nur noch dabei, gegen deine Konkurrenz zu bestehen? Das ist genau das Gleiche. Flexibilität, lasst uns gerne umdeuten heute, als Ausgewogenheit, als eine Verbindung zwischen deinem Gegenüber, zwischen dem was sein sollte, dem soll, den Anforderungen, all dem, auch dem gegen dich und auf der anderen Seite dir selbst. Deinen Wünschen, deinen Zielen, deinen Werten, deinen Prinzipien, deinem Warum du auf dem Weg bist. Dazwischen braucht es eine Verbindung und das ist Flexibilität. Mach das wie du bist, woher du kommst, was du mitbringst passend zu dem, wie es gebraucht wird. Verliere es nicht, aber haust dem Gegenüber auch nicht um die Ohren. Soweit mein Plädoyer für Flexibilität. Tatsächlich, ich habe Flexibilität sehr lieben gelernt, denn ich finde, das macht mir so Spaß, ein bisschen jetzt aus dem oft gesprochen, im Fechten herauszufinden, mit welcher Taktik kann ich mein Gegenüber überwinden und wenn ich merke, okay klappt mit dem Ding nicht, dann mache ich was anderes, klappt mit dem nicht, dann mache ich was nochmal anderes, aber ich habe so mein Portfolio, meine Schubladen und kann dann so ein bisschen auf den Tisch legen, so ein bisschen immer wieder so das rausziehen, wo ich denke, so ja das könnte jetzt klappen, das macht mir riesig Spaß, weil das naja eine etwas andere, aber auch gelebte Form von Empathie ist. Und lernst du nebenbei gesagt, lernst du das im Konflikt, lernst du das im Fechten, dann lernst du das auch im Miteinander. Es sind verschiedene Vorzeichen für die gleiche Sache. Soweit, ich danke dir, dass ich Flexibilität dir ein bisschen vielleicht von einer anderen, netteren Perspektive mal nahe bringen durfte. Wünsche dir nun eine flexible und schöne Woche. Freue mich über dein Feedback weiterhin auf podcast@christianbotte.de und sage auf bald, dein Trainer und Coach Christian Bott.
Neuer Kommentar